Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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646 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

Theodorich war als Feind Odoakers , im Einvernehmen mitdem byzantinischen Romkaiser und als Freund des römischenBischofs, in der Absicht eingerückt, sein Heer und sein Volk inGemeinsamkeit und grundsätzlicher Gleichberechtigung der ange-sessenen Bevölkerung, unter Ausgleichung der Machtverhältnisse,in Italien siedeln und leben zu lassen. Zur Ausführung dieserAbsicht diente ihm die Vernichtung der Herrschaft Odoakers .

Alboin und seine Langobarden unternahmen ihren Einbruchim Sinne der alten schlimmen Völkerwanderungen. Ihr Willewar auf rüchsichtslose und schrankenlose Vergewaltigung vonLand und Leuten gerichtet behufs Erlangung dauernder absolu-ter Herrschaft. Das hieß im gegebenen Falle: Ersetzung desbestehenden byzantinischen Regimentes in Italien durch ein ter-ritorial begrenztes absolutes langobardisches Reich.

II.

Es ist notwendig, hier die stammesmäßigen Eigenheitendes Langobardenvolkes ins Auge zu fassen, an welchen es langestrengstens festhielt.

Äußerlich war das Kennzeichen der Langobarden das zu bei-den Seiten des Gesichtes herabwallende, in der Mitte gescheitelte,am Hinterkopf rasierte Haupthaar und der lange Bart. Dieswar der Ursprung ihres Namens und das Hauptmerkmal ihresdie Römer abstoßenden Aussehens.

Dem Aussehen entsprach ihr Wesen. Sie waren und bliebenJahrhunderte lang wild und gewalttätig. Fehde und Blutracheüberwogen bis späthin den geregelten Rechtsgang und festesStrafrecht.

Seitdem sie von der Unterelbe aufgebrochen waren, wo sieals Ackerbauer und Viehzüchter seßhaft gewesen zu sein scheinen,waren sie niemals länger als etwa eine Generation hindurch aufeinem und demselben Territorium geblieben. Auf ihren langenund häufigen Wanderungen hatten sie sich zu einem reinen Krie-gervolk entwickelt. Sie lebten für das Waidwerk und den Krieg.Der freie Langobarde hielt sich für zu gut, um den lästigen Ge-schäften der Viehzucht und des Ackerbaues obzuliegen. Früher