Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
648
Einzelbild herunterladen
 

648 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

Was Cleph gegen die großen Landbesitzer voliführt hatte,dehnten die Herzoge auf alle Grundbesitzer aus, um sich den ge-samten Landbesitz zinspflichtig zu machen. Die in dieser Weiseentrechtete Bevölkerung nannten sieRomani. *)

Die Langobarden setzten sich zunächst einfach an die Stelleder früheren Gewalthaber, indem sie deren Landeinteilung undAmtsgewalten beibehielten, sodaß die Grenzen der früheren Ter-ritorien, welche meist städtische Herrschaft über größere Land-gebiete darstellten, beibehalten wurden.

Auf diese Weise entstanden auch die großen Herzogtümerin Mittelitalien: Spoleto, Benevent , Tuscien, deren große undJahrhunderte dauernde Bedeutung auch für die Geschichte derStadt Rom unsere Darstellung begleiten wird.

IV.

Gegen Ende des 6. Jahrhunderts hatten die Langobarden inItalien in solchem Umfange Fuß gefaßt, daß das gesamte itali-sche Gebiet eingeteilt erschien, in einerseits das langobardischeLand, andererseits das byzantinische Gebiet, welches unter demExarchen in Ravenna stand und in jener Zeit deswegenExar-chat von Ravenna genannt wurde.

Es muß bemerkt werden, daß nach dem abendländischenSprachgebrauch dieser und der nächstfolgenden Zeit fürbyzan-tinisch der Ausdruckgriechisch und fürByzantiner derAusdruckGriechen gebraucht wird.

Zum Exarchat von Ravenna gehörten gegen 650 die heutigeRomagna und der Küstenstrich um Rimini bis Ancona , ganz Un-teritalien, und die Küstengegend von Genua , welcher Ort jedochnebst den Seeplätzen der ligurischen Küste später gleichfalls vonden Langobarden erobert wurde. Auch Sicilien, Sardinien undCorsica erkannten um diese Zeit noch des Kaisers Herrschaft an.

*) Außer den Langobarden und den Romani gab es noch Halbfreie,welcheAldien genannt wurden, nämlich die alten schon seit langer Zeitin Italien seßhaft gewesenen Germanen sowie ihre Sklaven, welche die Ein-wanderer vorfanden oder mitbrachten.