650 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
Die Belagerungskunst der Barbaren zeigte sich aber einmalwieder als der römischen Verteidigungsfähigkeit nicht gewachsen.
Nach mehreren Monaten mußten die Langobarden unverrich-teter Sache abziehen. Einzelheiten über die Abwehr der Bela-gerung, welche uns fast rätselhaft erscheint, sind nicht bekannt.
Aber die Langobarden kehrten wieder und ließen Rom nochlange nicht zur Ruhe kommen.
Über die Fortsetzung der Bedrängung der Stadt Rom durchdie Langobarden, welcher eine über alle anderen in Italien vorge-henden Kämpfe hinausreichende Bedeutung beiwohnte, sind diehistorischen Nachrichten und die Auffassungen der Historikergeteilt.*)
Zuverlässig und ausführlich aber sind wir darüber unterrich-tet, daß in der Zeit nach 584 der römische Bischof Papst Pela-gius II. (578—590) gegen „das Heer des gottlosesten Volkes“in Constantinopel flehentlich und wiederholt, schriftlich und durchAbgesandte, Schutz erbat, aber immer vergeblich.
Diese Situation ist für die weitere Entwicklung der StadtRom namentlich dadurch bedeutungsvoll, daß die Römer anfingen,die Hülfe des Frankenkönigs ins Auge zu fassen.
„Die griechischen Kaiser“, so schreibt Gregorovius , „warendurch die slavische Völkerwanderung an der Donau und die per-sische Macht im Orient beschäftigt, von inneren Revolutionengelähmt und überließen Italien seinem Schicksal.“
Der römische Bischof begann daher jetzt seine Blicke nachdem Westen zu richten, wo Chlodewig seit 486 auf den Trüm-mern des Reichs in Gallien das mächtige Königtum der Frankengestiftet hatte. Dieses Volk bekannte seit seiner Christianisie-rung den orthodox katholischen Glauben. In ihm sah der Papstdie werdende Schutzmacht der Kirche; und schon hatten die
*) In der Nähe von Rom verbrannten die Langobarden die wichtigeFeste Petra Pertusa; dann wurde die ganze Umgegend von ihnen verheert,die Gefangenen wurden verstümmelt oder als Sklaven weggeführt undverkauft. Im Jahre 595/96 schrieb Papst Gregor I . «Seit 27 Jahren leben wirzwischen den Schwertern der Langobarden.“ („Viginti autem jam et septemannos ducimus, quod in hac~urbe inter Langobardorumjgladios vivimus.“).