652 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
Zeiten ihrer Niederlassung sich als Gutsbesitzer über das offeneLand verbreiteten, daß ihre „Faren“ (Barone) ihr Leben nach alt-germanischer Weise auf den „Gehöften“ inmitten ihrer Zinsbauernverbrachten, mehr auf Waffenübung und Krieg, auf Jagd und Fal-kenerei bedacht, als auf die Künste des Friedens, auf Gewerb-samkeit und Handel. Eben darauf beruht es, daß in den italieni-schen Städten die römische Stadtverfassung unverändert fortbe-stand und daß die inneren Angelegenheiten der Gemeinden denstädtischen Municipalbehörden überlassen blieben. Die langobar-dischen Schultheißen (Judices), welche im Namen des Königs dieHoheitsrechte wahrten und die schutzherrlichen Pflichten und Be-fugnisse übten, mischten sich selten in das innere Gemeindeleben.Sie vollzogen die höchste Gerichtsbarkeit, ordneten und leitetendie Wechselbeziehungen der Stadtgemeinde zu dem König undseinen Räten und überwachten die Interessen derjenigen Lango-barden, die ihren Aufenthalt in den Städten nahmen, und dort eineSonderstellung gegenüber der Gesamtheit, eine gewisse Fremd-heit, bewahrten.
VIII.
Wir müssen hier einen Blick einschalten auf die Zustände derBewohner der byzantinisch gebliebenen Gebiete. Die durch dieLangobarden bewirkte Lähmung der byzantinischen Verwaltungder Gebiete des Exarchates wirkte hier im gewissen Maße erleich-ternd und befreiend auf die in diesen Gebieten zurückgebliebeneBevölkerung, welche deswegen auf atmete.
Sobald die Schwere und der gleichmachende, ertötende Me-chanismus des oströmischen Reiches mit seinen Steuern, Lasten,Beamten und Verordnungen nachließ, gewahren wir in den nichtlangobardischen Städten Italiens die Anfänge eines individuellenLebens und den neubeginnenden Einfluß der Bürger. In den Hän-den bestimmter Familien (besonders der „Dekurionengeschlech-ter“) waren seit Jahrhunderten die um die Städte herumliegendenFelder, Wiesen und Weiden. Jetzt mußten diese gegen feindlicheRaubzüge verteidigt werden. Die Bürger bewaffneten ihre Kolon-nen, führten sie ins Feld und bauten Burgen und Castelle für ihreBesitzungen, zum Schutz und zur Zuflucht. Italiens locale Zerris-