Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Die Langobarden bis 590

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senheit in viele kleine Täler und Abschnitte begünstigte dieseRichtung, noch mehr die Lage vieler Städte an der See. Beson-ders in Venedig, wo durch die Flüchtlinge ganz von selbst derSeeverkehr gehoben ward, blieb das romanische Wesen ungebro-chen herrschend.

Die einzige große Ebene, das Stromgebiet des Po, war ganzin den Händen der Langobarden und der Hauptsitz ihrer Macht.

IX.

Wir kehren zu den Langobarden zurück.

Als Flavius Autharis, Clephs Sohn, herangewachsen war,wählten ihn die Herzoge zu ihrem Könige (584).

Autharis suchte die Freundschaft Garibalds, Herzogs derBaiern, und warb um die Hand der Tochter desselben, Theode-linde. Wie dasVerlöbnis geschah, ist in so ansprechender Art über-liefert, daß der Historiograph gerne dabei verweilen würde, auchwenn die königliche Braut nicht zu einer so hervorragenden undsympatischen Bedeutung gelangt wäre, wie es später der Fallwar. Es wird uns erzählt, daß König Autharis sich unerkannt, inder Rolle eines Abgesandten, an den Hof begab, und bei diesementgegenkommenden Empfang fand. Dann heißt es:Theode-linde erschien auf Autharis Wunsch, und empfing ihn als den ver-meinten Boten, indem sie ihm einen gefüllten Becher reichte.Autharis leerte den Becher und gab ihn der Braut zurück, wobeier deren Hand mit dem kleinen Finger preßte, während er ihrmit der anderen Hand über die Wange strich. Er zog daraufunter bairischem Geleite wieder in sein Land zurück. An derGrenze erst erklärte er sich förmlich. Ehe er die Grenze über-schritt, hieb er mit hoch geschwungenem Arm seine Streitaxt ineinen Baum, rufend:Dies ist der Hieb des Königs der Lango-barden.

Autharis starb schon 590. Die Langobarden hielten seineWitwe Theodelinde so wert, daß sie erklärten, denjenigen alsKönig annehmen zu wollen, den sie zum Gemahl wählen würde.