654 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
Die Königin entschied sich für Agilulf, Herzog von Turin , wel-chem sie 591 ihre Hand reichte.
Agilulf wurde darauf zu Mailand auf der Versammlung desganzen Volkes (591) zum König ausgerufen.
X.
König Agilulf (591—615) setzte den Krieg gegen den kai-serlichen Exarchen fort. Er würde sich gewiß auch Rom baldunterworfen haben, wenn damals nicht Gregor I. den päpstlichenStuhl innegehabt hätte. Dieser große Bischof (590—604) tatmehr als der Kaiser und sein Exarch zur Beschützung Italiens .Mit der sehr einflußreichen Königin Theodelinde, die als baieri-sche Fürstin katholischen Glaubens war, unterhielt er einen ver-trauten Briefwechsel. Durch ihre Vermittlung gelang es ihm, alsdie Stadt durch Mangel an Geld und Truppen in der höchstenGefahr war, einen Stillstand für Rom und dessen Landschaft zubewerkstelligen. Ja, er erregte endlich einen so großen frommenEifer bei der Gattin Agilulfs, daß diese nicht eher nachließ, bissie den König vom arianischen Glauben zum katholischen hin-übergezogen hatte.
Nach dem Vorgänge des Königs traten dann allmählich auchviele aus dem Volke zur römischen Kirche über, und wenn auchseitdem die übermäßige Begünstigung der Kirche und ihrerDiener nicht selten den Unwillen der Menge erregte und Aufleh-nung gegen die Könige veranlaßte, die in den nächsten fünfzigJahren bis auf Rotharis alle aus der Verwandtschaft Theodelindeserwählt wurden, so kam doch die Orthodoxie bald so in Auf-nahme, daß fast in jeder Stadt neben dem arianischen Bischöfeein katholischer war.
Nach einigen schwächlichen und durch Hader angefochtenenKönigen aus Theodelindens Geschlecht (Agilulfinger) wurde derHerzog von Brescia , der bedeutende Rotharis (636—651) zumLangobardenkönig gewählt. „Derselbe dehnte die Grenzen desLangobardenreiches, ohne die griechischen Besitzungen längs demadriatischen Meer zu nehmen, bis zur Meerenge von Messinaaus.“