656 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
Berührung ansteckend zu sein. Die außer sich gesetzte Phantasiehörte in den Lüften Geschmetter von Tuben, sah an den Häuserndie Zeichen des Würgengels, und in den Straßen den Pestdämonselbst oder Gespenster (cpaapcrca Sacp-dvcov) wanken, welche denBegegnenden den Tod durch einen Schlag mitteilten. Er erfolgtenicht immer plötzlich, oft erst in drei Tagen. Die Kranken star-ben, von Schlafsucht betäubt, oder von Fieberhitze verbrannt.Öffnete man den Cadaver, so fanden sich die Eingeweide mitGeschwüren bedeckt, in den Geschwülsten selbst Stoffe, wie Sub-stanz von Kohlen.“
Dieselbe Pest hatte schon während des Gotenkriegs und nachihm Italien wie Rom wiederholt heimgesucht. Nachdem sie imJanuar 590 von neuem ausgebrochen war, trat sie mit so schreck-licher Heftigkeit auf, daß sie die Stadt zu entvölkern drohte.
Kapitel II.
Langobarden und Papsttums
1.
ie äußerlichen, sichtbaren und persönlichen Träger dergeschichtlichen Kräfte, welche seit dem 6. Jahrhun-dert, bis zur Gründung des Kirchenstaates im Jahre756, Roms Schicksal bestimmten, waren:
erstens der römische Bischof, jetzt der Papst *) genannt,und neben ihm ein weltliches Haupt für die Regierung der StadtRom , welches wir hier der Kürze wegen „dux“ **) nennenwollen;
*) Der Titel Papa (Papa, iramta<;> Papst), welchen früher jeder Bischofführte, wurde (nach 510) zum Vorrecht des römischen Bischofs. Die deutscheÜbersetzuug „Vater“ führte später zu der Form „Heiliger Vater“.
**) Der Titel des Inhabers der weltlichen Regierung in Rom wechselte,ebenso wie der Inhalt der Stellung (welche zeitweise ganz fehlte). Als Titelkommt ferner vor: magister militum, praefectus, praefectus urbis, patricius.