Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
657
Einzelbild herunterladen
 

Langobarden und Papsttum

657

zweitens der griechische (byzantinische) Kaiser in Constan-tinopel und als dessen Statthalter in Italien derExarchus(Ravenna);

drittens der Langobardenkönig in Pavia und unter ihm (zeit-weise anstatt seiner), die langobardischen Herzoge(duces).* *)

viertens die Könige der Franken von Chlodewig bis Pip-pin. **)

Aus den von diesen Machtfaktoren in der Zeit vom 6. Jahr-hundei't bis 756 geführten Kämpfen ging diejenige Umwandlungder Welt hervor, welche man alsEnde des Altertums, Beginn desMittelalters, Aufrichtung der lateinisch-germanischen Herrschaftin Europa , Erstehen der weltlichen Papstherrschaft bezeichne.

Das äußere Ergebnis dieser Kämpfe war die Verdrängungder byzantinischen Herrschaft aus Rom , die Unterwerfung desLangobardenreiches unter die Oberherrschaft des Frankenkönigs,die Befreiung Roms von der Langobardenherrschaft.

Gregorovius formuliert:Das Resultat des langen Kampfesder Päpste mit den Langobarden wie mit der griechischen Staats-gewalt war dies, daß diese von Europa ausgestoßen, die Freiheitder Kirche errungen und das abendländische Reich als ein feu-dales, christliches Imperium der vereinigten Lateiner und Ger-manen geschaffen wurde.

Niemals ist der Träger dieser römischen Regierungsgewalt identisch mit demExarchus. Papst Gregor gab dem Inhaber dieser Gewalt die TitelprädikateMagnificus,Gloriosus,Illustrissimus.

*) Faroald, der erste Herzog von Spoleto, hielt Rom belagert, alsPapst Benedikt 578 starb.

**) Schon im Jahre 497 schrieb Papst Anastasius II. an König Chlo-dewig (Cludoecus), er hoffe, daß bei ihm die Kirche Schutz finde. Als imJahre 574 die Römer beim byzantinischen Kaiser um Hilfe gegen die Lan-gobarden flehten, schickte Kaiser Justinus II. den Römern Gelder, riet ihnen,einige der langobardischen Herzoge zu bestechen, wenn dies nicht gelinge,sollten sie die Franken zum Einmarsch in Italien veranlassen, um die Lan-gobarden zu bekämpfen.