Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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658 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

Das übliche in dieser Weise formulierte Schema der Ent-wickelung des Verhälnisses Roms zu Byzanz, sowie zu den bei-den barbarischen Völkerfaktoren, ist geeignet, dem historischenÜberblick, als Hilfsmittel zu dienen. Aber es fehlt diesemSchema etwas sehr wesentliches, nämlich der Maßstab der gei-stigen, politischen, sozialen, ethischen Entwicklung, welche Rom in jener Zeit genommen hat und welche für die Schlußentschei-dung zum Kampfe stärker in die Wagschale gefallen ist, als alleanderen an dem großen europäischen Kampf des 6., 7. und 8. Jahr-hunderts beteiligten Kräfte.

Diese Entwicklung der Macht der römischen Kirche undihrer Geistlichkeit müssen wir nunmehr ins Auge fassen, bevorwir zur Schilderung der Kämpfe Roms mit den Langobarden undmit Byzanz, sowie der intervenierenden Beteiligung der Frankenübergehen.

Es liegt nicht in der Aufgabe dieses Werkes, die Entwick-lung des Papsttums und der Kirche, deren Organisation undAusdehnung darzustellen. Aber wir müssen uns zu veranschau-lichen suchen, wie die Stadt Rom mittelst jener großen Kultur-faktoren im größten Maßstabe umgestellt wurde, wie sie zeit-weilig ganz und gar in den Dienst der Kirche getreten ist, wiesie sich erfüllen ließ von dem Geist der Hierarchie und desMönchtums und wie sie durch die Macht der römischen Geist-lichkeit zu dem wurde, was der mittelalterliche Wahlspruchausdrückte:

Roma caput mundi

Regit orbis frena rotundi.

Bevor wir mit unserer Darstellung auf die Einzelheiten die-ser Umwandlung übergehen, geben wir hier einen Auszug ausder Meisterskizze wieder, mit welcher Ferdinand Gregorovius dieGrund züge gezeichnet hat.