Langobarden und Papsttum
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Die Metropole der Welt wurde eine geistliche Stadt, worinPriester und Mönche rastlos Kirchen und Klöster bauten und dasganze städtische Leben beherrschten.
Die unermeßlichen Thermen der Kaiserzeit, von keiner Was-serleitung mehr versorgt und nicht mehr im Gebrauch, glichenin der Wildnis verfallenen Städten, welche der Efeu zu um-spinnen begann. Die kostbare Marmorbekleidung ihrer Wändestürzte herunter, oder wurde gewaltsam abgerissen, und die musi-vischen Fußböden lösten sich. Noch standen in schön gemaltenHallen antike Badesessel von lichtem oder dunklem Stein, präch-tige Wannen von Porphyr oder von orientalischem Alabaster,ihrer manche, und viele Statuen, blieben verlassen stehen, bis siedas einstürzende Gemäuer erschlug oder der Schutt für Jahr-hunderte begrub. Sehr viele andere wurden für kirchlicheZwecke verwandt.
Das bürgerliche Volk der Römer, jeder politischen Kraftberaubt, tief herabgekommen, ein Haufe moralischer Ruinen,scheint in den Trümmern des großen Altertums einen Schlaf vonJahrhunderten zu schlafen, bis es im 8. Jahrhundert durch dieStimme des Papstes zu neuer Tätigkeit erweckt wird.
Der Papst hat während diesei Zeit des politischen Schlafesdes Bürgertums und des Volkstums den Bau der römischenHierarchie aufgeführt. Das Emporsteigen dieser geistlichenMacht aus dem Schutt des antiken Staates steht vor den Augender Nachwelt als eine der merkwürdigsten Metamorphosen in derGeschichte Europas und der Welt, als ein, man darf sagen histo-risches Mysterium, dessen Wunderbarkeit nicht dadurch gemin-dert wird, daß es im Zeichen der Kraft großer Persönlichkeitensteht, als welche die Mitwelt und die Nachwelt den Papst Gregorden Großen und den Abt Benedictus von Nursia verehrt.
Alle Lebenskraft, die noch den Römern geblieben war, wurdejetzt in den ausschließlichen Dienst der Kirche hinübergeleitet,während die bürgerlichen Triebe abstarben. Nachdem die Herr-