660 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
lichkeit Roms versunken war, stand nur die Kirche lebenskräftigda. Sie allein hielt die moralische Einheit Italiens zusammen.
Die geistliche Macht pflanzte ihr Banner auf dem Schuttedes Altertums auf, und verschanzte sich hinter den MauernAurelians .
Sie unternahm von hier aus den großen Kampf mit denBarbaren, welche das große Reich zertrümmert hatten; sie civi-lisierte diese durch das Christentum und unterwarf sie demCanon der Kirchengesetze.
Ihre kulturgeschichtliche Aufgabe wäre unmöglich gewesen,wenn die in Italien herrschenden Germanen auch die Stadt Rom erobert hätten. Sie belagerten dieselbe wiederholt; aber die Er-haltung Roms erscheint als ein historisches Gesetz. Selbst dieitalienischen Eroberungen der Langobarden, welche die römischeKirche mit dem Untergange bedrohten, dienten schließlich zu de-ren Siege.
Sie schwächten die Macht der Byzantiner, die ihnen übrigenszwei Jahrhunderte lang (568—756) in Ravenna widerstand; siezwangen die römischen Bischöfe, mit Aufbietung aller Kraft eineselbständige Politik zu treiben, aus der sich allmählich die italieni-sche Machtstellung des Papsttums ergab; sie belebten auch denNationalgeist der Römer wieder, welche sie aus der tiefsten Ohn-macht zur bewaffneten Selbstverteidigung auf riefen. Bald konntedie römische Kirche die Langobarden katholisieren, und in sichselbst fest gegründet, auch von Italien geschützt, in einen dogma-tischen Kampf mit Byzanz sich einlassen, der zur politischenRevolution wurde. Aus ihr ging sie dann als eine reiche, welt-liche Macht und Herrschaft in der ewigen Stadt hervor.