Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Hierarchie und Mönchtum

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Kapitel III.

Hierarchie und Mönchtum.

s sind die römischen Bischöfe gewesen, welche den Bauder römischen Hierarchie aufgeführt haben.

Neben die Hierarchie aber trat im 5. Jahr-hundert als Faktor kirchlicher Macht eine neuereligiöse Institution und eine neue Quelle kirchlichen Le-bens, selbständig, aber im Einklang mit dem Papsttumund in dessen Dienst stehend. *) Es war das bene-diktinische Mönchwesen, wie wir hier das gemäß der Schöpfungdes Abtes Benedictus gestaltete mönchische Ordens- und Kloster-wesen bezeichnen wollen.

Das Mönchwesen war im 4. Jahrhundert vom Orient nachdem Abendland gekommen. Aber erst durch die gewaltige Kraftdesheiligen Benedictus von Nursia (480543), welcher denBenediktinerorden (Ordo Sancti Benedicti ) stiftete und dasKloster von Monte Cassino baute, gelangte das Mönchtum zu derüberragenden Bedeutung, welche dasselbe als Ergänzung derHierarchie ebenbürtig neben diese stellte, und die Macht derGeistlichkeit in einer Großartigkeit förderte, welche zeitweisewesenbestimmend für die römische Kirche war.

Von den Lebensumständen des großen Benedictus, desSchöpfers einer ganzen Welt, wissen wir sehr wenig. Benediktwurde als Sohn des Euprobus, im umbrischen Nursia, um dasJahr 480 geboren. Als Knabe von vierzehn Jahren kam er nachRom , um sich daselbst in den Wissenschaften auszubilden, und

*) Hans von Schubert , Geschichte der christlichen Kirche im Frühmittel-alter, Tübingen 1921, S. 59: .Neben die Hierarchie hatte sich seit dem Endedes 4. Jahrhunderts auch im Abendland in steigendem Maße das Mönchtum,als eine bestimmte Gestaltung, als eine Grundform des christlichen Lebensgestellt, die zwar nur einzelne, nicht alle ergriff wie jene, aber eine allge-meine, die ganze Kirche durchziehende Erscheinung darstellte und den Ge-samtgeist der Christenheit aufs stärkste beeinflußte.