Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
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In großen Predigten legte Gregor dem Volke dar, daß dasWohl der Stadt jedermanns erste Pflicht und die Zeit so geartetsei, daß sich der Bischof als den wahren Regenten Roms be-trachten müsse, daß es in diesen Bedrängnissen nur ein Asyl gebe,die Kirche, und nur einen Helfer und Retter, den Papst.

Hungersnot herrschte in der ganzen Stadt. Gregor be-schaffte Getreide aus Sicilien und aus Ägypten sowie durch An-spannung des Kirchengutes.

Schlimmer noch als der Hunger war die Bedrängnis durch dieFeinde.

Gregor hat den Römern und der Welt geschildert, wiedieSchwerter des Königs Autharis und des Herzogs Ariulf vonSpoleto gegen Rom gerichtet waren und wie die Langobarden umRom gleich Geiern um einen Leichnam kreisten. Späterer Dar-stellung behalten wir vor, zu berichten, wie Gregor diesen Fein-den gegenüber in überlegener diplomatischer Ausnutzung allerMöglichkeiten Rom schützte.

III.

Als Gregor I. in Rom am 12. März 604 starb, hatte er erstkürzlich die Schwelle zum 6. Jahrzehnt des Lebens überschritten.Im kräftigsten Mannesalter wurde er von gichtischen Leiden nie-dergeworfen. Zwei Jahre hindurch war er so krank, daß er nuran den höchsten Festtagen sein Lager verließ um die Messe zulesen. Es wird berichtet, daß er vom Krankenlager aus mit kla-rem Blick die ganze christliche Welt überschaute. Die innereEhrfurcht, von welcher das Volk und die Krieger, der Adel, sowieFürsten und Kaiser ergriffen wurden, wenn sie dem großen Rö-mer nahten, wurde gesteigert durch die Demut, mit welcher dererhabene Mann nicht nur im Dienste Gottes und der Kirche, son-dern als Mensch dem Menschen gegenüber stand, die Verkörpe-rung jenes höchsten Titels, den er sich beigelegt hatteKnechtder Knechte.