Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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670 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

In Gregor war nichts von Ehrgeiz, Herrschsucht, Impera-torentum. Und doch hat kein Papst soviel für die äußere wiefür die innere Macht der Kirche getan wie er.

Er verzichete mit Bewußtsein auf unmittelbare äußereMachterfolge, wenn er annahm, daß dieser Verzicht größere in-nere Erfolge sichere. Kennzeichnend war, wie er im Jahre 599dem Kaiser durch seinen Nuntius sagen ließ, wenn er, Gregores auf den Untergang der Langobarden abgesehen hätte, so würdegegenwärtig dieses Volk weder einen König, noch einen Herzogoder Grafen mehr haben; er wolle jedoch mit den Langobarden,deren Bekehrung er bestimmt erwartete, einen gütlichen Friedenhaben.

Alle Anordnungen Gregors im großen und im kleinen tra-gen den Charakter des Klugen und Praktischen, ohne daß mandoch irgend einen Grund hätte, an der Innerlichkeit seines Glau-bens zu zweifeln. Sein starker Glaube an die Nachfolge Petrideckte sich mit seiner Politik, die die Rechte des römischenStuhles sowohl den übrigen Kirchen wie dem Kaiser gegenübermit Zähigkeit zu wahren bestrebt war. Die Art seiner Vorbil-dung, die ihn einerseits durch das weltliche Leben und an-dererseits durch das Mönchtum geführt hatte, die Bedrängnisseder äußeren Welt, die er an sich und seiner Umgebung täglicherlebte und die nur durch die kirchliche Organisation gemildertwurden, lehrten ihn die äußeren Machtmittel der Kirche im Ver-hältnisse zum bloßen Glauben, ihre unmittelbaren und äußerenWirkungen schätzen und hervorheben, in stetem Hinblick aberauf die Ewigkeit und die ewigen Ziele der Kirche. Es ist natür-lich, daß er in dieser Zeit und dieser Bevölkerung gegenüber nichtdie tiefsten, aber die am unmittelbarsten wirkenden Gedanken desKatholicismus betonte und entwickelte, so in der Lehre vonBuße lind Strafe, von den Wundern, vom Fegefeuer und von dererlösenden Macht kirchlicher Werke.