Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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682 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

Während sich weiterhin auf der einen Seite die großen An-lagen der Antonine erhoben, standen auf der andern das Theaterdes Pompejus und die Porticus Octavia. Alle diese ehemaligenPrachtbauten waren im Jahre 610 verwittert und stark beschädigt,aber noch nicht ganz Ruinen.

Das Pantheon, das schönste Denkmal Agrippas und einesder schönsten der Stadt, hatte schon länger als 600 Jahre denElementen getrotzt; weder die Überschwemmungen des Tiber *)noch die Wolkenbrüche des Winters, welche durch die Kuppelöff-nung auf den vertieften Marmorboden herabstürzen und vonunterirdischen Kanälen aufgefangen werden, konnten diesen festenBau erschüttern. Seine prachtvolle Vorhalle, zu der fünf Stufenemporführten, stand unversehrt mit allen sechzehn Säulen ausGranit und deren korinthischen Capitälen von weißem Marmor.In ihren beiden Nischen dauerten vielleicht noch die Standbilderdes Augustus und Agrippa , welche der letztere dort aufgestellthatte. Das Dachgerüst aus Balken von vergoldetem Erz konntekeine Gewalt der Zeit zerbrechen, und noch hatte die vergoldetenBronzeziegel, mit denen sowohl die Vorhalle als die Kuppel selbstbedeckt waren, kein Räuber abgerissen.

Der Name Pantheon war dem Gebäude durch Plinius ge-geben.

Dio Cassius sah außer den Statuen des Mars und der Ve-nus darin auch die des vergötterten Caesar aufgestellt (welchemzugestellt zu werden Augustus sich weigerte). Diese Statuen las-sen eine caesarische Bestimmung erkennen, auch wenn der Tempelvon der Göttermutter Cybele den allgemeinen Titel, und den be-sonderen vom Jupiter Ultor entlehnte, in Erinnerung an dengroßen Sieg des Augustus bei Actium . Die Edikte der christli-chen Kaiser hatten die Schließung aller Tempel befohlen, undvielleicht war seit zwei Jahrhunderten kein Römer mehr in dasInnere des Pantheon eingedrungen; die großen mit Erz beschla-

*) Gregorovius schrieb noch 1889: »Die Überschwemmungen des Tiber ,die noch jetzt fast alljährlich die Rotunde umfiuten und in ihrem Innernstromgleich aufquellen* (Gesch. d. Stadt Rom Bd. II, 4. verb. Aufl., Stuttgart 1889, S. 105).

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