Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom und Byzanz 604 bis 715

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genen Türflügel (sie sind schwerlich noch die heutigen) hattenjedoch sicherlich Westgoten und Vandalen aufgebrochen. DochSchätze fanden sie dort nicht. Die glänzende Marmorbekleidungoder die mit metallenen Rosen geschmückten Cassetten der Wöl-bung konnten ihre Gier kaum reizen. In den sechs Nischen desinneren Runds wie in den zwischen ihnen angebrachten Aediculafanden sie verlassene Götterbilder, von denen sie die wertvollenrauben mochten, und selbst Bonifatius IV. hat wohl deren nocheinige im Pantheon vorgefunden.

Das Prinzip, daß die Tempel der Heiden nicht zerstört,sondern dem christlichen Cultus geweiht werden sollten, wardurch kaiserliche Edikte mehrfach ausgesprochen, von PapstGregor für Britannien durch eine Verordnung an den BischofMelitus bestätigt.

Von den Chronisten wird berichtet, Papst Bonifatiushabe vom Kaiser Phokas das Pantheon sich erbeten und zum Ge-schenk erhalten.

Über die Feier der Übergabe und Weihung des Pantheon wird berichtet:

Bonifatius versammelte die Geistlichkeit Roms . Die Türendes Pantheon, mit dem Kreuz versehen, wurden aufgetan, und indie erhabene Rotunde strömten zum erstenmal Prozessionen sin-gender Christen-Priester, während der Papst die Marmorwände,von denen man die Zeichen des Heidentums entfernt hatte, mitWeihwasser besprengte. Die vom Gloria in excelsis, welchesdie Wölbung mit lautem Echo zurückgab, erschreckten Dämo-nen wurden den Römern sichtbar, wie sie durch die Öffnung derKuppel das Freie suchten. Es waren ihrer so viele als es heid-nische Götter gab. Bis auf Bonifatius Zeit hatte man das Pan-theon als den eigentlichen Sitz der Dämonen in Rom betrachtet.Das spätere Mittelalter wußte, daß es von Agrippa der Cybeleund allen Göttern geweiht worden war, und glaubte, daß er dievergoldete Erzstatue jener Göttin über der Kuppel aufgestellthatte.

Bonifatius weihte die Rotunde der Jungfrau Maria undallen Märtyrern.

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