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Am folgenden Sonnabend zog der Kaiser nach Santa MariaMaggiore , und brachte auch dort ein Weihgeschenk dar.
Am Sonntage hielt er, von seinen Truppen begleitet, einefestliche Prozession nach S. Peter, vom Clerus eingeholt und vomPapst in die Basilica geführt.
Papst Vitalian reichte dem Kaiser das Abendmahl, und die-ser legte auf dem Hochaltar ein goldenes Pallium nieder.
Am folgenden Sonnabend zog der Kaiser nach dem Lateran .Er badete dort und hielt Tafel in der „Basilica Julii“, einemTriclinum des alten Palastes.
Nur 12 Tage lang blieb Constans in Rom .
Am Tage seiner Abreise hörte der Kaiser noch einmal dieMesse am Apostelgrabe. Dann nahm er vom Papste Abschiedund segelte nach Neapel .
Wenn man die Romfahrt des oströmischen Kaisers im Jahre663 mit den Romfahrten des weströmischen Kaisers Honoriusim Jahre 404, des ostgotischen Herrschers Theodorich im Jahre500 und mit derjenigen Karls des Großen im Jahre 800 ver-gleicht, so liegt auf der Hand, daß diejenige von Constans II. den Tiefstand dieser Reihe der Romfahrten darstellt.
In dem äußeren Zustand der Stadt Rom fand dieser Tief-stand seinen krassen Ausdruck in dem Nebeneinander einerseitsder Trümmer des alten Roms, welche noch immer in großenMassen verödeter Bauten, in der Fortdauer der alten Straßenund Plätze und dem grauen Kolorit verwitterter Riesenbauten,dem Stadtbild den Grundcharakter gaben, und andererseits derdazwischen eingestreuten oder in Ruinen hineingebauten christ-lichen Neubauten, Klöster, Oratorien, Basiliken, Wohnstätten.
Es ist gewiß, daß Constans ohne jedes Verständnis für ge-schichtliche Gesichtspunkte und ohne jedes Interesse für dasSchicksal der Stadt Rom , den ganzen traurigen Tatbestand ledig-lich unter dem Gesichtspunkt betrachtete, was er an materiellemWert aus den Ruinen für sich mitnehmen könnte.