Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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700 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

folgte das Heer des Ducatus der Pentapolis,*) sowie von allenanderen zwischen Ravenna und Rom liegenden Landschaften, umden Papst zu retten.

Das Heer von Ravenna, ebenso wie die Truppen der Land-schaften, bestand nicht aus griechischen Söldnern, sondern eswaren nationale Milizen. Zacharias war schon in Rom , bevor dieMilizen eingetroffen waren. Bewaffnete Mannschaften strömtenaus ganz Rom und der Umgegend zusammen, worauf Zachariasden Befehl erließ, die Tore der Stadt zu schließen und den Papstfestzunehmen.

Dieser Befehl hinderte nicht, daß die Miliz von Ravenna mitklingendem Spiel durch das Tor von S. Peter einzog und zumLateran marschierte. Dort begehrte sie, den Papst zu sehen, daes hieß, derselbe sei nächtlicherweile, so wie einst Martin, zuSchiffe fortgebracht worden.

Der Protospathar verlor nunmehr alle Haltung. Er floh inden Palast zum Papste und drang bis in dessen Schlafgemachvor, wo er sich unter dem Bett des Papstes versteckte.

Draußen hörte man jetzt die Stimmen der bewaffnetenMenge, welche die Tore zu erbrechen drohte, wenn der Papst sichnicht zeige.

Papst Sergius beruhigte den angsterfüllten Asylsucher unterseinem Bett und trat heraus aus der Basilica, als ein echter DuxPlebis von der Menge jubelnd begrüßt, die er zur Schonung desunschädlichen Feindes ermahnte.

Die Ravennaten blieben aber vor dem Lateran , bis der Pro-tospathar herauskam, der nunmehr unter Hohn und Ver-wünschungen aus der Stadt hinausjagt wurde. Die Zeit diesesVorganges steht nicht genau fest. Es muß im Jahr 693 oder 694gewesen sein.

*) Die Landschaft der fünf Seestädte Ancona, Sinigaglia, Fano , Pesaround Rimini hießPentapolis. Das erste Mal, daß in den Geschichtsquel-len von demDucat der Pentapolis gesprochen wird, ist der im Text be-richtete Zug der Ravennaten nach Rom .