701
Der Tag, an welchem dies Ereignis geschah, war einer derwichtigsten in der bisherigen Geschichte der Päpste: er zeigteplötzlich, wie groß und national ihre Macht geworden war. „DieseMacht war das im Stillen sich vollendende Werk jener Energie, mitwelcher die Päpste die Provinzen Italiens kirchlich zentralisiertund dem heiligen Stuhle Roms unterworfen hatten; dies endlichwar die Wirkung des langen dogmatischen Kampfs des Westensmit dem Osten und der Eingriffe der byzantinischen Kaiser indie Angelegenheiten der römischen Kirche.“ (Gregorovius.).
XI.
Die Geschichte der Zeit von 692 bis 715 ist sowohl für dieEreignisse im Orient (Byzanz) als für diejenigen im Westen(Rom, Ravenna, Syracus ), besonders auch für die Beziehungenzwischen Papst und Kaiser, zwischen Ravenna und Rom , zwi-schen Ravenna und Byzanz lückenhaft und vielfach widerspre-chend überliefert.
Wir berichten hier, was als feststehend angesehen werden
darf.
Die Geschichte Justinians II. ist seit 694 folgende. Im Jahre695 wurde er durch den General Leontios, welcher vom Volk alsLeiter eines allgemeinen Volksaufstandes ausgerufen wurde, ent-thront. Das Volk schleppte Justinian in die Rennbahn. Leontiosverhaftete ihn, ließ ihm die Nase und die Zungenspitze abschnei-den und verbannte ihn nach Cherson auf der Krim . Im Jahre705 kehrte Justinian nach Constantinopel zurück. Leontios warim Jahre 697 durch den Admiral Apsima, der als Kaiser Tibe-riusIII. auf den Thron stieg, abgesetzt worden und, wie Justinian ,der Nase und der Zunge beraubt worden. Justinian ließ Leontiosund Tiberius in Ketten vor sich führen. In der Rennbahn ließer sie enthaupten. Tausende seiner übrigen Feinde ließ er, wieberichtet wird, spießen, köpfen, hängen. Im Jahre 711 wurdeJustinian II. genannt Rhinometos (der Nasenlose) ermordet.
Papst Sergius starb am 7. September 701 ihm folgte imPontifikat der Grieche Johannes VI. (701—705). Tiberius III .