Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom uud Byzanz 604 bis 715

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Der Papst gehorchte. Er schiffte sich am 5. Oktober 710mit einer Anzahl der höchsten geistlichen Würdenträger Roms inPortus ein.

Die Fahrt ging über Neapel (dort Begegnung mit dem Exar-chen) Rhegium , Callipolis (heute Gallipoli, an der süditalieni-schen Küste) Hydruntum (heute Otranto ). Hier wurde wegender Stürme Winterquartier genommen. Im Frühling wurde dieReise nach Griechenland , sodann als Küstenfahrt längst der KüsteGriechenlands fortgesetzt.

In Hydruntum hatte der Papst einen Paß mit dem kaiserli-chen Siegel empfangen, durch welchen alle Beamten angewiesenwurden den Papst zu ehren wie den Kaiser selbst. An der grie-chischen Küste empfing der Flottenadmiral den Papst mit denhöchsten Ehren.

Am siebenten Meilenstein vor Constantinopel wurde derPapst vom Senat und von den Spitzen der Geistlichkeit bewill-kommnet, welche von Tiberius , dem Sohn des Kaisers, und demPatriarchen Cyrus geführt wurden.

Seinen Einzug in der Hauptstadt hielt Constantin, wie dasPapstbuch berichtet, zu Roß, die Mitra auf dem Haupte.

Im Palast der Placidia ward dem Papst Residenz bereitet.

Der Kaiser, welcher sich in Nicae befand, traf sich mit demPapst in Nicomedia.

Es wird berichtet, daß die Zusammenkunft höchst feierlichverlief.

Der Chronist schreibt:Nachdem der Kaiser dem Papsteden Fuß geküßt hatte, umarmten sich beide unter dem Jubel derMenge. Am Sonntage las der Papst vor dem Kaiser die Messeund kommunizierte mit ihm. Der Kaiser bat den Papst, daß erfür die Vergebung seiner Sünden bete, erneuerte alle Privilegiender römischen Kirche und entließ ihn nach Hause.

Gregorovius schreibt:Das bluttriefende Ungeheuer Rhi-notmetus reinigte sich vor den Augen der Menge von seinenVerbrechen durch die päpstlicheUmarmung, Beichte und Commu-