710 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
,,Die Bildertafeln in den Kirchen wurden zerbrochen, dieWandgemälde mit glänzenden Farben übermalt.“
Das Edikt rief einen Sturm im Morgen- und im Abendlandhervor.
Der Papst schickte dem Kaiser einen leidenschaftlichenBrief, in welchem folgende Worte standen: *)
„Wir können an Dich nur in einem ungelehrten und rohenStile schreiben, weil du selbst ungelehrt und roh bist. Befreiedeine Seele von den Verwünschungen, womit dich die Welt, über-häuft, denn selbst kleine Kinder lachen dich aus. Tritt in dieSchule derer, die im Abc unterrichtet werden, und sprich: ich bines, welcher die Bilder umstürzt und verfolgt, und augenblicklichwerden sie dir ihre Schreibtafeln an den Kopf werfen.“
Zwei Parteien, Bilderdiener (Ikonodulen) und Bilderstürmer(Ikotioklasten), standen einander feindselig gegenüber.
Zahllose Denkmäler und Bilder wurden zerstört, die Kunstselbst als „Gehülfin des Götzendienstes“ geächtet.
Weder die Vorstellungen des römischen Bischofs, noch die„Schutzreden für die Bilder“, welche Johannes von Damaskos,der letzte der griechischen Kirchenväter, aus seiner Klosterzelleausgehen ließ, machten Eindruck auf den Kaiser. Derselbe ver-folgte Priester und Mönche, Bischöfe und Fürsten , welche sichgegen das Verbot der Bilder auf lehnten, unnachsichtlich undzornig.
Der Papst berief eine römische Synode und erklärte mit de-ren Zustimmung durch eine Bulle in heftigen Worten, daßes dem Kaiser nicht zukomme, in Glaubenssachen Vorschriftenzu erlassen oder Satzungen der Kirche umzustoßen.
Leo schickte darauf neue Befehle, dem Papst mit Absetzungdrohend wenn er nicht gehorche.
*) Diese Sätze sind berühmt, und wenn auch U. M. Hartmann ihre Au-thenticität neuerdings bezweifelt, im Einklang mit der sonstigen Grobheit desgregorianischen Stils.