Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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712 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

Der Papst aber blieb auch nunmehr noch seiner Politik treuund ermahnte die Italiener, nicht vom Kaiser abzufallen. Erduldete in dieser Haltung selbst noch in Rom einen neuen kaiser-lichen Dux, Petrus . Aber der Papst konnte freilich nicht verhin-dern, daß die wütenden Römer den ihnen aufgezwungenen Duxzunächst im Caesarenpalast belagerten, dann ihn vertrieben, odererschlugen.

Der kaiserliche Dux von Neapel , Exhilaratus, war unterdes-sen mit einem Heerhaufen in die Campagna gerückt. Er wurdeaber dort von den römischen Milizen geschlagen und selber ge-tötet.

Die byzantinische Macht sah sich nach kurzer Zeit auf Nea-pel beschränkt.

In Rom selbst war der Einfluß des Kaisers völlig erloschen.

Gregorovius bemerkt zu dieser Lage:Der Papst war nun-mehr das natürliche Haupt der römischen Nationalität, und soentstand während des Bilderstreites in verschleierten Anfängendie weltliche Gewalt des Papstes in Rom und in dem Dukat.

Es muß hier hervorgehoben werden, daß der Gedanke, Italien von Byzanz gänzlich zu trennen, und einen neuen weströmischenKaiser einzusetzen, der jungen italienischen Nation zum Greifennahe gebracht war. Nur die päpstliche Politik widerstrebte die-sem Gedanken nach wie vor konsequent und energisch. Sie wurdedurch Gregor II. mit der Lehre gestützt, daßdie Gewalten desPalastes und der Kirche (so schrieb Gregor), die geistliche unddie politische, die Kirche und das Reich verschiedene Weltenseien.

Der Bilderstreit tobte weiter, aber Papst und Kaiser bliebendurch eine Solidarität der Interessen verbunden, welche auf derSeite des Papsttums darin begründet war, daß man in Rom liebervon einer weltlichen Herrschaft abhängen wollte, welche außer-halb Italiens mächtig, in Italien aber ohnmächtig war, als vonitalienischen Usurpatoren. Als solche Usurpatoren standen sichin Italien abwechselnd gegenüber: der griechische Exarch in Ra-venna, langobardische Herzoge, abenteuernde Heerführer, ehr-