Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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720 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.

derung keinen Erfolg hatte, drohte er, alle Römer niederzuhauenwenn er die Stadt würde mit Sturm genommen haben.

Der Papst nährte die Leidenschaft der Römer durch gewal-tige Reden und religiöse Veranstaltungen. Er veranstaltete eineProzession nach S. Maria Maggiore. Er selbst führte dieselbe.Auf seinen Schultern trug er selbst dasnicht von Händen ge-machte Bildnis des Heilands.*) Die Friedensurkunde Aistulfswar einem Kreuz angeheftet, um dem Volk den Meineid des Lan-gobardenkönigs vor Augen zu halten.

Papst Stephan II. mußte aber alsbald einsehen, daß er gegendie gewaltsamen Pläne Aistulfs mit einer Verteidigung Romsoder mit den Mitteln, welche von den Päpsten bisher wirksamgegen Langobardenkönige angewendet waren, die VergewaltigungRoms nicht hindern könne.

Er tat denjenigen Schritt, welcher allein noch ernstlich inBetracht kam, nämlich die Nachsuchung der Hülfe des Franken-königs.

Der Papst beschloß persönlich zu König Pippin in das Fran-kenland zu reisen.

Papst Zacharias hatte mit Pippin bereits wichtige Bezie-hungen angeknüpft. Er hatte (751) die Usuipation des fränki-schen Thrones durch Pippin, auf eine feierliche Befragung durcheine fränkische Gesandtschaft (Bischof Burchard von Würzburgund Abt Folrad von St. Denis) gutgeheißen. Er hatte die Abset-zung des untüchtigen König Childerich durch das Volk für be-rechtigt erklärt. Er hatte die Gelegenheit benutzt, um zweierleiGrundsätze zu proklamieren: erstens daß die Quelle aller staat-lichen Macht, auch der königlichen,im Volke sei, zweitens daßdie Volksentscheidung der päpstlichen Bestätigung bedürfe.

*) Dieses berühmte Bildnis, auf Holz gemalt, finster, bärtig, ganz by-zantinisch, (Maragoni Ist. della Capelia di Sancta Sanctor. Rom 1747) wirdnoch unter Pius V. (15661572) erwähnt, welcher die mit dem Bilde vorge-nommeue nächtliche Prozession (diese an den Kultus des Kybele anknüp-fend) verbot, da sie zu Bacchanalien ausgeartet war.