722 Vom Einbruch der Langobarden bis auf Karl d. Gr.
In Ponthion erniedrigte sich auch der Papst vor dem mäch-tigen Schirmherrn. Er bat ihn auf den Knieen, der Sache desheiligen Petrus und der römischen Republik seinen Schutz zuleihen. Pippin gelobte diesen Schutz eidlich.
In der Kirche des heiligen Dionys salbte Stephan am 28. Juli754 Pippin, seine Gemahlin Bertrada , seine Söhne Carl und Carl-mann, und er gebot dem fränkischen Volk unter Androhung desBannes, niemals aus einem andern als dem jetzt durch die Kirchefür legitim erklärten „karolinischen“ Geschlecht seine Könige zuwählen.
Die Bedeutung des 28. Julis 754, „des Tages von S. Dionys“ist sehr hoch einzuschätzen. Durch den feierlichen Aktdieses Tages galt der Thron Pippin und seinen Nachfolgern gesi-chert, zugleich aber auch das Verhältnis des fränkischen Papstesund des Königtums. Nach der Ausdrucksweise des Papstes lagdie Bedeutung darin, daß „Gott die fränkischen Könige unterVermittlung des heiligen Petrus durch seine Hand gesalbt habe,damit durch sie der Apostelfürst zu seinem Rechte komme.“
Sowohl von Seiten des Papstes als von Seiten Pippin’s undder fränkischen Großen wurde auf das stärkste betont, daß dasneue fränkisch-römische Rechtsverhältnis durchaus friedlichenCharakters, insbesondere nicht bestimmt sei, den Rechten des by-zantinischen Kaisers oder denjenigen des LangobardenkönigsAbbruch zu tun.
Aber sicherheitshalber marschierte doch ein Frankenheer, indessen Mitte sich der Papst befand, über Lyon und Vienne nachMaurienne am Fuße des Mont Cenis, dem Ausfalltor nach Italien .
Aistulf andererseits führte auf die Nachricht vom Anmarschder Franken seine gesamte Macht an die langobardischen Grenz-befestigungen auf der anderen Seite des Mont Cenis bei Susa. Esist dazu zu bemerken, daß Pippin sich auf einer Reichsversamm-lung zu Braisne die Ermächtigung zu seinem Heereszuge feier-lich hatte erteilen lassen.
Es kam naturgemäß zum Kampfe zwischen beiden Heeren,in welchem die Franken einen überraschend schnellen Sieg er-langten, und an welchen sich bald ein Friedensvertrag schloß.