770 Ständische Gliederungen 568 bis 1200
von Nicolaus V. noch wiederhergestellte Kirche wurde mit demPalazzo der Inquisition unfern Porta Cavallegiere vereint.
Die Kirche S. Maria in Campo Santo wurde seit 779 die Na-tionalkirche der Deutschen bei St. Peter und besteht in derGegenwart als Begräbniskirche und Grundlage des Institutes des„Camposanto dei Tedeschi“ fort. *)
Die Scholen der Germanen **) erscheinen bei feierlichenAufzügen, wie die gesamte Bürgerschaft, mit ihren Bannern undFahnen, und wenn die Stadt von Feinden angegriffen wird, sonehmen sie tätigen Anteil an dem Kampfe.
An Scholen von Zünften und Innungen sind zu nennendiejenigen der Notare oder Tabellionen, der Ärzte, Handwerker,Kaufleute, die schola cantorum, die schola piscatorum.
Die Mitglieder zahlten beim Eintritt eine Summe und be-schworen die Innungsgesetze. Ein Prior oder Primicerius leiteteden Verein, wachte über die Aufrechterhaltung des Statuts undvertrat die Zunft dem Staat gegenüber, welchem für das Privile-gium eine Abgabe entrichtet wurde. Die Kasse der Zunft zahlteUnterstützungen, sorgte für die Kranken und Armen, für dieBeerdigung der Mitglieder und rüstete Festmahle aus.
Der Name scholae war in Rom um 1200 verschwunden.
Die bürgerlichen Verbindungen nahmen anstatt dessen diedamals allgemein gewordenen Namen „ars“ oder „Universitas“ an.
*) Über die Geschichte des deutschen Campo Santo s. A. de Waal.Der Campo Santo der Deutschen, Freiburg 1896, sowie „Rompilger“, 10. Auf-lage von Kirsch, Freiburg , i. B. S. 124—129. Dort auch die Geschichte deranderen deutschen Nationalkirche Santa Maria deH’Anima.
**) Literatur:
A. Doren , Deutsche Handwerker und Handwerkerbruderschaften immittelalterlichen Italien, Berlin 1903,
G. v. Graevenitz, Deutsche in Rom 64 ff. 283 f.
K. H. Schäfer, Das römische Deutschtum im 14. Jahrhundert, in derRömischen Quartalschrift, Suppl. Heft 20 (1913) 234 ff.
Noack in den Monatsheften für Kunstwissenschaft, 1922, S. 283: Überdeutsche Goldschmiede in Rom .