Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Ständische Gliederungen 568 bis 1200

II.

Die päpstliche Beamtenschaft besaß in jener Zeit neben demPapste die größte Macht und das höchste Ansehen in der Stadt.Es gehörten zu ihr die vornehmsten und reichsten Geschlechterder römischen Nobilität, welche in ihrer Gesamtheit jetzt wiedermit dem ehrwürdigen Namen des Senats bezeichnet wurden.

Sieben Beamten waren es vor allem, deren Rang und Stellungihnen den größten Einfluß neben dem Bischof von Rom gewährte.Es waren die sogenannten judices de clero, die gleichsam dasMinisterium der Kurie bildeten.

Der Primicerius stand als Premierminister an der Spitze derganzen Verwaltung. Sein Stellvertreter war der Secundicerius.Der Arcarius hatte die Leitung der Einnahmen-, der Sacellariusdie der Ausgabenwirtschaft, der Primus Defensor war der Vor-steher der Zunft der kirchlichen Anwälte, dem Nomenclator lagdie Leitung des Ministeriums für Gnadensachen ob, und der Pro-toscriniarius, dessen Amt zuletzt, wohl erst im 9. Jahrhundert,entstand, war der Chef der Kanzlei.

Ursprünglich administrative Beamte privatrechtlicher Natur,indem sie die Patrimonia des heiligen Petrus verwalteten, wurdendiese päpstlichen Würdenträger seit der Umwandlung der Besitz-tümer der Kirche in Staatseigentum Staatsbeamte, zugleich mitrichterlichen Befugnissen ausgestattet.

Häufig waren diese Beamten zugleich Grundherren. Oft warihr Grundbesitz die Unterlage ihres Amtes.

Sie waren so in der Lage, ihr Amt erblich zu machen, wo-durch die Macht des Papstes erheblich geschmälert werden mußte.Die Kirche war daher eifrig bemüht, die erbgesessene Landari-stokratie von der Verwaltung auszuschließen, denn die Beamten,die nur Beamte waren, mußten naturgemäß viel zuverlässigersein als die, welchen ihr erblicher Grundbesitz das Amt ver-schaffte. Da die Päpste sich aber vergeblich bemühten, die begü-terten römischen Großen durch kirchlicher gesinnte Beamte in derZentralverwaltung zu ersetzen, so rvar eine dauernde Spannung