Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
775
Einzelbild herunterladen
 

Beamtenschaft. Adel

775

IV.

Die Betrachtung des Ergebnisses der Entwicklung der bei-den Beamtenordnungen lehrt, daß während der RegierungStephans II. sich ein Prozeß fortsetzte, welcher seit Jahrzehnten,nämlich seit der Einflußlosigkeit des Kaisers in Mittelitalien ,die weltliche Verwaltung der Stadt Rom zum Spielball wechseln-der Gewalten gemacht hatte. Die Wahrnehmung der vitalenInteressen der Stadtverwaltung war teils an die päpstliche Be-amtenschaft übergegangen, die sich zu einer wirklichen Beamten-aristokratie entwickelte, teils an die Miliz. Ein Adelsstand nebendiesen beiden Ordnungen bestand nicht mehr. Dagegen gab eseine nicht geringe Anzahl von Persönlichkeiten, tatsächlich adli-gen Charakters, welche im Rahmen der alten Ämter zu Ansehen,Reichtum und Grundbesitz gelangt waren, und welche auf dieserGrundlage ehrgeizige Ziele für ihre Person verfolgten, dieaußerhalb jeder Beamtenhierarchie lagen.

Wir müssen uns vorstellen, daß, als Paul I. (757 bis 768) denpäpstlichen Stuhl bestieg, die römische Campagna (im weitestenSinn des Wortes, d. h. mit Einschluß des südlichen Tuscien, derAbhänge des Sabinergebirges und des Albanergebirges), durch-setzt war von zahlreichen Castellen, Burgen (Rocca oder Arx),Türmen (Torre), jede dieser Befestigungen inmitten großerLandbesitzungen mit hunderten und tausenden höriger und be-waffneter Mannschaften, Kolonen, welche den Reichtum derHerren mehrten und zugleich für ihn Kriegsdienste taten. Vieledieser Barone besaßen zu gleicher Zeit in der Stadt Rom Paläste,welche gleichfalls befestigt waren und deren jeder gleichfalls vonnutzbarem Grundbesitz umrahmt war.

Es waren dies die ersten Vertreter des späteren römischenAdels, welcher um 1200 das Gebiet der Stadt Rom und das Gebietder Campagna unter sich aufgeteilt hatte, und dann Jahrhun-derte lang das Bild und das Leben in und um Rom beherrschte.

Die Umwandlung in dem Charakter des römischen Adels,der bis dahin nicht sehr kriegerisch war, steht mit den lango-bardischen Herzogtümern in Verbindung, da aus diesen manchenach Rom kamen und dort Besitzungen erwarben. In der