Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
778
Einzelbild herunterladen
 

778 Römisches Kaisertum und Kaiserkrönungen

dies im Anfänge schwerlich anders, als in frühem Fällen, woman auch ein germanisches Volk durch ein anderes besiegt hatte,und zuletzt der ganze Vorteil dem Kaiser verblieb, ein System,welches man von Anfang an gegen Langobarden und Frankenbeobachtet hatte. Die Verehrung, welche alle Germanen fürdie Würde des römischen Kaisertums hegten, mochte etwasdazu beitragen, um Pippin zur Übernahme der mit dem Patri-ciat verbundenen Verpflichtungen zu bestimmen. Der Haupt-grund aber war immer die Ehrfurcht und der Gehorsam gegendie römische Kirche, welcher das neue Königshaus ja außerdemzum Teil seinen Thron verdankte, und das feste Vertrauen,für die dem Nachfolger Petri geleistete Hilfe auch wieder vondem Apostel, dem Christus die Schlüssel des Himmelreichesübergeben habe, Verzeihung der Sünden und einen Platz unterden Seligen zu erhalten. Die fränkischen Könige verpflichtetensich durch den Patriciat, nicht bloß die Langobarden für denAugenblick zur Herausgabe der gemachten Eroberungen zuzwingen, sondern die römische Kirche überhaupt in ihren Be-sitzungen und in ihrem rechtmäßigen Glauben zu schützen undzu erhalten.

II.

Zwischen dem ersten Einzug Karls in Rom im Jahre 774und seiner Krönung im Jahre 800 ist an der rechtlichen undpolitischen Stellung des Königs zum Papsttum und zu den Rö-mern grundsätzlich nichts geändert.

Die beiden Besuche Karls in Rom (781 und 787) dienten derBefestigung des guten Einvernehmens Karls mit seinem FreundePapst Hadrian. Der Briefwechsel mit dessen Nachfolger Leo III. im Jahre 796 bedeutete zwar eine verstärkte persönliche An-näherung zwischen Kaiser und Papst, indem sie den Gedankender Kaiserkrönung in sich schloß und insofern dessen Verwirk-lichung vorbereitete. Aber rechtlich war und blieb Karls Stel-lung zu dem Papst und den Römern bis zum Jahre 800 unverän-dert lediglich diejenige eines Patricius. Diese Stellung gab Karlausdrücklich und endgültig auf, als er vom Papst gekrönt