Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
780
Einzelbild herunterladen
 

780

Römisches Kaisertum und Kaiserkrönungen

lieh im Bereich der adligen Faktionen und der Beamtenaristo-kratie, entwickelt gewesen sein.

Daß Leo III. unmittelbar nach dem Tode Hadrians (25. De-zember 795), nämlich am 27. Dezember 795 geweiht wurde, unddann sofort jenen Briefwechsel mit Karl eröffnete, welchen wirkennen, ist der stärkste Beweis für die Spannung der Lage inRom.

Die sofort von Leo energisch eröffnete fränkisch-impera-torische Politik war dadurch bestimmt, daß Leo die ErhaltungRoms als nur möglich ansah durch die Aufrichtung der fränki-schen Herrschaft in Rom, nachdem von Byzanz nichts mehr zuerwarten war.

Dies näher darzulegen würde den Rahmen unserer Aufgabesprengen. Aber es muß hier hervorgehoben werden, daß seitdem Regierungsantritt Leos bis zu dem Weihnachtstage 800Papst und Fankenkönig in völliger Einigkeit, und in unerhörterGroßartigkeit, die Niederhaltung der römischen Revolutions-tendenzen und die Vorbereitung einer neuen imperialistischenStaatenordnung Europas betrieben haben.

Aus diesem Gesichtspunkt allein auch ist es erklärlich, daßder Frankenkönig schließlich im Jahre 800 in Rom unter dem-selben einheitlichen Jubel einziehen konnte, mit welchem erdort 2 6 Jahre früher empfangen worden war.

111 .

Es steht außer Zweifel, daß die Intervention des Franken-königs in den Jahren 773774 und ebenso seine Krönung imJahre 800 nicht bloß von dem Wohlwollen des Papstes und derRömer getragen, sondern durch den Wunsch dieser beiden po-litischen Faktoren gestützt wie veranlaßt war.

Die Kaiserkrönung von 800 war eine römische Angelegen-heit, nicht eine fränkische, sie war eine römisch-nationale, nichtnur eine dynastische Erhebung und Rangerhöhung.

Die Respublica Romana war es, um deren Schicksal es sichhandelte.