Verhältnis des Kaisertums usw. 781
Die späteren Kaiserkrönungen lagen nicht auf derselbenEntwicklungslinie wie die des Großen Carolus.
Die Krönung Ludwigs des Frommen (in Reims ) war ein reindynastischer Vorgang, diejenige Karls des Kahlen (875) ein per-sönlicher.
Den Römern erschienen die meisten der späteren Kaiser-krönungen als Usurpationen, die unter dem Zeichen schwererKämpfe standen, welche die Römer, zum Teil sogar die Römer und der Papst gegen die Kaiserprätendenten nicht selten blutigführten.
In anderen Fällen war die Kaiserkrönung der Dank einesPapstes für die ihm von den Gekrönten gewährte Hilfe.
Mit der Krönung Friedrich II. (1220) schloß die Reihe der-jenigen Krönungen, welche durch irgend eine Art von innererWesensgleichheit verbunden erschienen.
IV.
Wie nach dem Tode Karls des Großen das mittelalterliche„Imperium Romanum “ umgebogen wurde und wie dann dieEntwicklung weiter ging, wird von G. Laehr („Die Antike“1931) folgendermaßen gezeichnet:
Mit dem Tode des großen Karl ging die Renovatio Ro-mani imperii zu Ende. Es war bezeichnend, daß Ludwig derFromme die stolze Siegelumschrift seines Vaters mit der sinn-losen Devise: „Renovatio regni Francorum“ vertauschte. Inseinen Urkunden nannte er sich lediglich Imperator Augustus .Jede Beziehung auf das römische Reich wurde vermieden. DerAnspruch auf das Imperium Romanum ward von dem fränki-schen Kaiser aufgegeben. Demgegenüber bedeutete es wenig,wenn nach dem Zerfall des karolingischen Einheitsstaates diemachtlosen Teilfürsten sich den Titel eines Kaisers der Römer gaben, was selbst Karl der Große nicht getan hatte, oder wennsie die Erneuerung des römischen Reiches erneut auf ihre Siegelschrieben. Ihren Gesten fehlte die universale Resonanz. Dieallgemeine Geltung, die dem westlichen Imperium eignen mußte,