Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Zeremonien und sonstiger Verlauf der Krönungen

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seinen Begleitern, denselben, die ihm während der Krönungbeigestanden hatten. Hinter diesen reitet die Kaiserin. DenSchluß bilden die übrigen hohen Persönlichkeiten.

Unter dem feierlichen Geläute sämtlicher Glocken derStadt bewegt sich der Zug durch die festlich bekränzten Straßenzum Lateran =). An einzelnen Stationen sind die Kleriker derStadt aufgestellt, ebenso die Juden, welche die Vor überziehendenmit Lobgesängen begrüßen. Vor und hinter dem Zuge streuendie Kämmerer des Kaisers Geld unter die Menge; zugleich habensie den Weg frei zu halten. Bei der Ankunft vor dem Lateran-palast erschallen nochmals die üblichen Lobrufe, angestimmtvom ersten der Kardinäle des hl. Laurentius vor den Mauern.(Lorenzo fuori le Mura.) Darauf steigt der Kaiser vom Pferde,legt seine Krone vom Haupte, um dem Papst abermals Mar-schallsdienste zu leisten. Dieser begibt sich dann, begleitet vomKaiser und dem Stadtpräfekten, in den Lateran , in denpala-tium maius genannten Teil. Dort verabschieden sich Kaiserund Papst, um ein wenig auszuruhen, während die kaiserlichenKämmerer im Verein mit den päpstlichen an sämtliche Beamtedes Palastes ein Geldgeschenk, Presbyterium genannt, austeilen.

Die bei Sonnenaufgang mit dem Einzug vom Monte Mariobegonnene Feier hat um etwa 3 Uhr ihr vorläufiges Ende er-reicht.

Nunmehr beginnt das festliche Mahl, der Schlußakt desfeierlichen Tages. Der Kaiser sitzt dabei zur Rechten desPapstes.

Die Kaiserin speist in einem nach der Kaiserin Julia be-nannten Saale (camera Juliae Imperatricis), wohin sie von dem

*) Dieser Zug zum Lateran konnte nicht immer stattfinden, die feind-selige Stimmung der römischen Bevölkerung und andere Umstände machtenihn zu wiederholten Malen unmöglich. Sowohl Heinrich IV. als Heinrich V. unterließen ihn. So kam es, daß man die Prozession zum Lateran in derFolgezeit ganz fallen ließ und eine kleinere an ihre Stelle setzte, bei welcheres nicht nötig war, den Bereich der mit sicheren Mauern umschlossenen Leo-nina zu verlassen.