Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
792
Einzelbild herunterladen
 

792

Römisches Kaisertum und Kaiserkrönungen

Primicerius und Secundicerius der Richter geleitet worden, mitden Bischöfen und übrigen Großen ihres Gefolges.

Nach beendigtem Mahle hält ein Diakon eine kurze Lesung,die Sänger tragen noch ein Lied vor, worauf, nach einem Segens-spruche, Papst und Kaiser sich trennen. Der Kaiser begibt sichzu seiner Gemahlin, der Papst in seine Gemächer das Fest istbeendet.

Wenn es die Umstände erlaubten, hielt der Kaiser amzweiten Tage eine Prozession zur Messe nach dem Lateran, amdritten Tag nach S. Paul, am vierten nach Sta. Croce in Gerusa-lemme.

In der vorhergehenden Schilderung ist nicht berücksich-tigt dasScrutinium.

Dieser Abschnitt in der Kaiserkrönung ist in der Zeit seitOtto I. bis auf Heinrich V. zur Anwendung gekommen.

Das Scrutinium spielt sich unmittelbar vor dem eigent-lichen Krönungsakt in der Mitte des Hauptschiffes der BasilicaSt. Petri ab, auf derRota Porphyrica.

Dorthin begibt sich der Papst, nachdem er den Kaiser beider Porta argentea zurückgelassen hat, während von den Kle-rikern das ResponsoriumPetrus , liebst du mich? gesungenwird. Der Papst spendet den Segen und läßt sich auf den aufder rechten Seite der Rota für ihn bereit gestellten Sessel nieder,der Ankunft des Kaisers harrend.

Diesen geleiten, sobald der Bischof von Albano sein Gebetbeendet hat, der Archipresbyter und Archidiakon der Kardinälezur Rota, wo er sich ebenfalls setzt. Die genannten Kardinäleaber lassen sich ihm zu beiden Seiten nieder, denn sie haben denKaiser bei den Antworten auf die ihm vorgelegten Fragen zuunterstützen. Rechts vom Kaiser nehmen die deutschen Bi-schöfe Platz, zur Rechten des Papstes aber die sieben latera-nensischen Bischöfe. Nachdem auch die übrigen Kardinäle undGeistlichen sich gesetzt haben, beginnt das Scrutinium.

Der Papst, auf die alte Institution der Väter und auf dasWort des Apostels, niemandem vorschnell die Hände aufzulegen,