Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Zeremonien und sonstiger Verlauf der Krönungen 793

sich berufend, legt dem Kaiser verschiedene Fragen vor, derenInhalt sich auf die Tugenden bezieht, die ein jeder Christ, vorallem aber der Herrscher der Christenheit zu üben hat. Somuß der Kaiser versprechen, gottesfürchtig und sittenrein zuleben, Nüchternheit zu bewahren, von schmählichem Gewinnsich fernzuhalten, demütig und geduldig gegen Arme, Reisendeund Notleidende, leutselig und barmherzig zu sein. Auf dieseGelöbnisse folgt die Ablegung des Glaubensbekenntnisses, wiederin Form von Frage des Papstes und Antwort des Kaisers. So-fort nach dem Scrutinium spricht der Bischof von Porto, sichmitten auf die Rota stellend, das zweite Gebet über den Kaiser;zu gleicher Zeit spricht der Bischof von Ostia über die an dersilbernen Pforte harrende Kaiserin die festgesetzte Oration. DerPapst aber begibt sich in die Sakristei, um sich mit den päpst-lichen Gewändern, bis auf die Dalmatika, zu bekleiden.

Auch der Kaiser wird jetzt mit den Krönungsgewändernangetan und begibt sich zu diesem Behufe in die Kapelle des hl.Gregorius, wo ihn der Archipresbyter und Archidiakon diesehaben ihm bei der ganzen Krönung die nötigen Anweisungen zugeben mit dem Schultertuch, der Albe und dem Cingulumbekleiden. So führen ihn diese dann zum Papste in die Sakristei,der ihn hier zum Kleriker macht und ihm die Tunika und Dal-matika, das Pluviale und die Mitra , Stiefel und Sandalen verleiht.

Endlich ist die Behandlung derInsignien hervorzuheben.Dieselben sind: der Ring (bis 901), das Schwert, die Krone, dasSzepter, der Reichsapfel.

Die Überreichung der Insignien wurde gemäß der Be-deutung, welche die mittelalterliche Anschauung den Insignienüberhaupt beilegte, neben der Salbung als der wichtigste Teildes Krönungszeremoniells betrachtet.

In den Insignien sah man nicht bloß die äußeren Symboleder Herrschaft, sondern die Herrschaft selbst. Erst wenn derKönig im Besitze der Reichsinsignien ist, hat er die volle Königs-gewalt. Daraus ergibt sich die große Wichtigkeit der Insig-

Neomario, Geschichte der Stadt Rom~ II.

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