Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Zeremonien und sonstiger Verlauf der Krönungen

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fast hufeisenförmige Mauerring Leos IV. ist noch heute aneinigen Stellen erhalten und kenntlich, im Borgo am GangeAlexanders VI. , neben der Münze oder dem päpstlichen Gartenbis zu dem dicken Eckturm, in der Linie der Porta Pertusa, undwo diese von einem anderen Eckturm zur Porta Fabrica hin-biegt. Aber die späteren Anlagen des neuen Borgo, die Basti-onen der Engelsburg und jene von S. Spirito haben die MauernLeos durchbrochen und hie und da vertilgt. Indem der neueregroße Mauerumkreis des Vaticans seit Pius IV. die alte Leostadtumschloß, erfuhr diese im kleinen das Schicksal der alten servi-schen Mauern in ihrem Verhältnis zu denen Aurelians .

Als Leo sein Werk vollendet hatte, nannte er die neueStadt: Civitas Leonina. Die Stadt Rom , welcher jetzt die Päpsteden Stempel ihrer Herrschaft auf drückten, hatte in Jahrhunder-ten kein größeres Fest gefeiert, als die Einweihung jener Mauernam 27. Juni 852. Der ganze Clerus umzog barfuß, das Hauptmit Asche bestreut, die Wälle mit Gesang. Vorüberwandelndsprengten die sieben Cardinalbischöfe Weihwasser auf dieMauern; an jedem Tor ward angehalten, und jedesmal flehteder Papst Segen auf die neue Stadt herab. Als der Umzug be-endigt war, verteilte Leo Gold, Silber und seidene Pallien zumGeschenk an Adel, Volk und Fremdencolonien.

In der neuen Stadt, welche der Papst dem Heiland dar-gebracht und S. Peter und Paul als Beschützern empfohlen hatte,(mit ihrem Abbilde ließ er sich auf Altardecken darstellen) fuh-ren die Peregrinen fort zu wohnen, und es wurden wohl auchRömer oder Trasteveriner durch Vorteile bewogen, sich dortanzusiedeln. Ihre Gründung machte Epoche sowohl in dermonumentalen Geschichte des mittelalterlichen Rom , als in denAnnalen der päpstlichen Herrschaft, welche zum erstenmal dasstädtische Pomörium erweitert hatte.

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