Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Römisches Kaisertum und Kaiserkrönungen

folgenden Morgen hielt er eine Volksversammlung, in welcherer den Castruccio Castracane zu seinem Stellvertreter als Se-nator bestellte.

Am 28. April sprach der Kaiser über den verhaßten Papstals Ketzer und Majestätsverbrecher das Todesurteil. Am 12. Mailieß der Kaiser von einer Versammlung von Priestern und Laieneinen im Kloster Aracoeli lebenden Minoritenmönch zum Gegen-papst wählen. Der Kaiser setzte ihm selbst die päpstliche Kroneaufs Haupt. Am 17. Mai veranstaltete der Kaiser ein Krönungs-schauspiel mit dem neuen Papst, in dem er sich festlich vonS. Lorenzo einholen ließ nach S. Peter. Hier setzte er seinemPapst die Tiara, dieser ihm die Krone aufs Haupt.

Die Verfolgung der Entwicklung der römischen Verhält-nisse muß hier abgebrochen werden. Der Romzug und dieKrönungsvorgänge von 1328 sind eine unbedeutende undschlechterdings unerfreuliche Episode geblieben.

III.

Karl IV. (13471378) wurde gekrönt am j. April 1355.

Der Romzug und die Kaiserkrönung des LuxemburgersKönig Karl IV. im Jahre 1355 war die Erfüllung des Wunschesvieler, deren berühmter Sprecher Petrarca geworden war. DerSinn dieses Wunsches wird gekennzeichnet durch Petrarcas be-rühmte Worte:Wenn er (Karl IV.) mit seinem Deutsch-land und des Reiches Gliedern sich begnügend, Italien , desReiches Haupt, beiseite läßt, kann er deutscher König sein, aberkein Imperator. Dieser Petrarca-Spruch bezeichnete seherischden Erfolg von Karls Romzug. Karl ließ tatsächlich Italien beiseite und begnügte sich mit einem leeren Gepränge.

Die Leerheit des Krönungsvorganges wird durch die Weisecharakterisiert, wie der König die unerhörte Demütigung aufsich nahm, welche der Papst Innocenz VI. (13521362) inAvignon ihm zumutete. Er erfüllte genauestens alle Vorschrif-ten über das Zeremoniell und dessen Rahmen, einschließlich desihm abgeforderten Gelöbnisses, nur am Krönungstage, dem 5.