Krönungen 1220 bis 1530
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April, Ostersonntag, die Stadt Rom zu betreten. Die Umstände,in denen der Vorgang verlief, sind mehrfach und ausführlichüberliefert. Einzelnes nur sei hier berichtet.
Karl war begleitet von seiner erst 1 6 jährigen GemahlinAnna von Schweidnitz. 15 000 Ritter und Reisige, zu zweiDritteilen Italiener, die übrigen Deutsche und Böhmen, verherr-lichten die Heerfahrt, gut beritten, versehen mit Rüstungenund Waffen, die nicht für den Kampf geeignet, sondern Parade-stücke waren. Man sah die Herzoge von Bayern, Braunschweig, Troppau, Teschen, Falkenberg, die Burggrafen von Nürnberg und Magdeburg, die Grafen von Schwarzenburg und Oettingen, zahlreiche Prälaten, den Erzbischof von Prag, die Bischöfe vonAugsburg, Olmütz, Speyer, Leitomyssl, Zeng, zahlreiche Hof-und Reichsbeamte.
Innocenz VI. hatte dem Kardinalbischof von Ostia, Pierrede Colombier seine Vertretung bei der Krönung übertragen.
Am Krönungstage, bei Sonnenaufgang, bliesen die Trom-peten, und Karl, in feurig-rotem Gewände, ritt langsam auf dieStadt zu zur Porta di Castello, dann zu dem Platz vor der Ba-silika. Des Königs Roß wurde von zwei Senatoren bis zu denStufen geführt, wo der König abstieg. Oben auf den Stufenempfing ihn der Kardinal in Pontifikalkleidung und umarmteden König. Beide begaben sich nun in das Innere der Basilika.Unter dem Jubelruf der versammelten Menge, welcher, wie derBerichterstatter sagt, so laut ertönte, daß man Donnerschlägenicht vernommen haben würde, fand die Zeremonie statt.
Nach der Krönungsmesse kehrten Kaiser und Kaiserin aufden Platz an den Stufen der Basilika zurück, wo der Kardinalsich von ihnen verabschiedete. Sie bestiegen weiße Zelter undritten, während vornehme Bürger ihre Pferde führten, zumLateran, wo man infolge des Straßengedränges erst am Nach-mittag eintraf. Dort fand das Festmahl statt.
Der Berichterstatter schreibt: „Noch war das Gastmahlnicht vorüber, so mußte der Kaiser aufstehen, denn die Nachtwar da, und er hatte versprochen, sie nicht in Rom zuzubrin-