Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Die Stadt Rom 816 bis 1009

mit den kostbaren Seidenstoffen, deren die römische Kirchebedurfte.

Das allgemeine Muster jener Decken, Gewänder und Ge-räte entstammte der Überlieferung aus dem salomonischenTempel. Die Päpste ahmten die phantastische Kleidung derHohenpriester der Juden nach, die Kirchen den Gebrauch derunzähligen Weihgeschenke, womit jener Tempel erfüllt gewesenwar.

V.

Unsere Rückschau auf die Vorgänger des Papstes Leo III. und auf deren Wirken für den Bestand und Glanz der päpst-lichen Stadt gewährt uns das Bild so mächtiger Entfaltung, daßeine weitere Steigerung durch Leo III. , wie sie dessen Chronistbeschreibt, nicht von vornherein wahrscheinlich war. Die fort-gesetzte Potenzierung muß erklärt werden durch ein weiteresAnwachsen des Klerus in Rom , durch das starke Machtbedürf-nis dieses Papstes und durch das die Zeit allgemein beherr-schende leidenschaftliche Prachtbedürfnis.

Aber schon vor dem Tode Leo III. änderte sich das Bild.Der Glanz der leoninischen Regierung verblaßte. Leo starb amii. Mai 816 in tiefem Kummer über die Kämpfe, in welchendas römische Volk und die römischen Großen sich gegen ihnempörten.

In bezug auf die folgende Zeit bemerkt Gregorovius: DieZustände Roms in dieser Zeit sind in so tiefes Dunkel getaucht,daß die Geschichte der Stadt nur fragmentarisch in solchen Er-eignissen sichtbar wird, die mit dem Reiche Zusammenhängen.

Mit dem Kaisertum war die Spaltung der Stadt in diepäpstliche und die kaiserliche Partei verbunden. Dieser Zwie-spalt dauerte Jahrhunderte lang fort und beherrschte bald diese,bald jene Verhältnisse, das ganze Leben der Stadt ergreifend.

VI.

Mehr als 20 Jahre hatte Leo III. auf dem Stuhle Petri ge-sessen, in einer Zeit, die an großen Ereignissen reich war. Einen