854
Die Eroberung der Stadt Syracus durch die Sarazenen imJahre 831 *) gab den schon seit mehr als zwanzig Jahrendrohenden Angriffen derselben auf die italienischen Küstenfesten Boden.
Die Tibermündungen lockten die der See- und Flußfahrtgleich kundigen Sarazenen nach Rom .
Die alten Städte an diesen Mündungen waren nicht im-stande, die seemächtigen Ankömmlinge abzuwehren, und zwi-schen diesen und Rom dehnte sich nur flaches ödes Land.
Die beiden größten Basiliken, St. Peter und St. Paul mitallen ihren Schätzen lagen außerhalb des Aurelianischen Mauer-kreises, jedem feindlichen Überfall schutzlos preisgegeben.
Als Papst Gregor IV. (827—844) zur Regierung kam, saher, daß es nötig war, die Küste zu schützen. Aber es überstiegseine Kräfte, die alte umfangreiche Hafenstadt Ostia wiederaufzurichten. Anstatt dessen erbaute er eine neue kleinere Stadtmit festen Mauern und Gräben. Gregor selbst war bei demMauerbau unermüdlich zugegen. Er nannte die Stadt Gregorio-
*) Über die Einnahme von Syracus berichtet ein Augenzeuge folgendes:„Wir haben zehn Monate widerstanden; oft bei Tag, vielmals nachts ge-stritten, zu Wasser, zu Land, und unter der Erde. Das auf den Dächernwachsende Gras war unsere Speise; Gebeine von Tieren ließen wir mahlen,um sie für Mehl zu gebrauchen; endlich haben wir Kinder verzehrt; schreck-liche Krankheiten waren Folgen des Hungers. Auf die Festigkeit der Türmerechnend, glaubten wir Entsatz abwarten zu können; der mächtigste Turmbrach, noch hielten wir drei Wochen lang. In einem Augenblick, da vonHitze erschöpft unsere Kriegsleute Rast nahmen, plötzlicher Generalsturm,Einnahme der Stadt! Unsere Flucht ging in die Kirche St. Salvator. DerFeind uns nach. Obrigkeiten, Priester, Mönche, Greise, Weiber, Kindermähete sein Schwert. Hierauf wurden die Edelsten, tausend an der Zahl,vor der Stadt mit Steinen, Prügeln, Geißeln ermordet; der KommandantNiketas von Tarsos , halb geschunden, mit herausgerissenen Eingeweiden,an einem Stein tot geschmettert; alle großen Häuser verbrannt, die Burgniedergerissen. An dem Tag, da sie Abrahams Opfer feiern (Bairam),wollten viele den Erzbischof und uns allesammt verbrennen. Ein alterMann, der viel bei ihnen vermag, rettete uns. Geschrieben vierzehn Schuhunter der Erde, unter unzähligen Gefangenen, Juden, Afrikanern, Lombarden,Christen und Unchristen, Weißen und Mohren zu Palermo “.