Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Die Stadt Rom 816 bis 1009

Völliges Dunkel bedeckt ihren Untergang.

Der trajanische Hafen war um diese Zeit in einen See oderSumpf verwandelt. Kein Schiff berührte ihn. Wenn sichHandelsbarken nach Latium wagten, nahmen sie die Tiberfahrtauf der Seite von Ostia . Dagegen war der andere HafenTrajans, Centumcellae , noch zur Zeit Pippins und Karlseinigermaßen belebt gewesen.

Die Sarazenen hatten diese alte tuscische Stadt schon imJahr 813 überfallen und später, wahrscheinlich 829, zerstört.Man fürchtete für sie das Schicksal Lunis, welches von den Mo-hamedanern im Jahr 849 vernichtet worden war. Der Hafenwar verlassen und versandet, die Mauern lagen am Boden, unddie flüchtigen Bewohner lebten schon 40 Jahre lang in denSchluchten des nahen Gebirges. Die Stadt Centumcellae schiendem Untergange so rettungslos geweiht, daß Leo IV. sie inTrümmern liegen ließ und zur Ansiedlung ihrer Bewohner eineandere Stelle aussuchte, zwölf Millien weit landwärts von deralten entfernt. Mit unermüdlichem Eifer ging er ans Werk;auf seinen Wink erhoben sich Kirchen, Häuser, Mauern undTore. Er weihte die neue Stadt unter ähnlichen Zeremonien,wie er die Leonina geweiht hatte, im 8. Jahre seines Pontifikats,und nannte sie Leopolis. Aber weder Name noch Ort dauertenlange, vielmehr sehnten sich die Einwohner desselben nach ihrerverlassenen Heimat zurück; ein ehrwürdiger Greis Leanderforderte sie, so wird erzählt, in einem Parlament zur Rückkehrnach der alten Stadt auf. Dies geschah, und Centumcellaewurde seither Civitas vetus (Civita vecchia ) genannt.

Leo IV. stellte noch zwei andere tuscische Städte her,Horta und Ameria. Er versah sie mit Mauern und Toren. Be-festigung war fortan das einzige Mittel, die Einwohner zu-sammenzuhalten. Da die Sarazenen alle Küsten Etruriens plün-derten, geschah es leicht, daß unverteidigte Orte, zumal in derEbene, verlassen wurden; ihre Bewohner flüchteten sich aufFelsen und Berggipfel, und mit dem Beginn der moslemischenRaubzüge, im Anfänge des 9. Jahrhunderts, erhoben sich in der