Die Sarazenen 865
bestimmt, und die ganze Abtei umgab wie eine feste Stadt einemit Türmen bewehrte Mauer.
Die Sarazenen hatten seit der Mitte des 9. Jahrhundertsdie Abtei unaufhörlich bedrängt, besonders seit dem Jahr 890.Der Abt Petrus verteidigte sich mit seinen Dienstmannen siebenJahre lang, dann erkannte er, daß Rettung unmöglich sei. Erteilte die Schätze des Klosters, sandte sie nach Rom , nach Fermo,nach Rieti ; er zerstörte das kostbare Ciborium des Hauptaltars,vergrub die Onyxsäulen in der Erde, dann verließ er die Abtei.Die Schönheit der Gebäude bewog die Sarazenen zur Schonung;sie benutzten Farfa als ihr Absteigequartier; aber christlicheRäuber, welche in jener Gegend hausten, setzten die Abtei inFlammen.
„Noch heute lebt in jenen Gegenden fabelhaften vor-römischen Anbaues die Erinnerung an die Sarazenen. HinterTivoli ragt auf einem felsigen Bergrücken das Castell Saraci-nesco, welches durch uralte Tracht und Sitte der Bewohnermerkwürdig ist. Sein Name stammt von den Arabern des9. Jahrhunderts, welche sich daselbst verschanzt hatten. Aufder andern Seite jenes Gebirges liegt in der großartigen sabini-schen Bergwildnis Ciciliano; auch dieses Castell war zur ZeitJohanns X. ein fester sarazenischer Ort“. (Gregorovius.)
IX.
Es war dem Kaiser Berengar (9x6—924) Vorbehalten, derSarazenenplage ein Ende zu machen. Sofort nach seiner Krö-nung unternahm er einen glänzend entworfenen und ebensoglänzend ausgeführten Feldzug gegen die Sarazenen.
Zunächst riefen ihn die Dinge nach Oberitalien zurück,nachdem er mit den unteritalischen Fürsten und den Byzan-tinern wegen der gemeinsamen Unternehmung übereingekom-men war. Er stellte dem Papst Truppen zur Verfügung, näm-lich die Toscaner unter dem Markgrafen Adalbert, die Mann-schaften Spoletos und Camerinos, welche Alberich führte.
Die große Liga war glücklich zu Stande gekommen. DieFürsten Unteritaliens waren einig.