Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
870
Einzelbild herunterladen
 

870

Die Stadt Rom 816 bis 1009

Leo IV. hatte über den Türen der Sakristei die Synodemalen lassen, auf welcher Kardinal Anastasius abgesetzt wordenwar.

Anastasius zerstörte dies Gemälde, verbrannte Heiligen-bilder, und schlug mit einem Beil selbst die Figuren Christi undder Jungfrau zusammen. Dann eilte er nach dem Lateran, be-fahl, die verschlossenen Türen des Palastes aufzubrechen, undließ sich auf dem päpstlichen Stuhle nieder, während Benediktin der Basilika selbst auf einem andern Throne saß, umringt vonden ihm treuen Geistlichen.

Anastasius gebot seinen Leuten, Benedikt zu vertreiben,worauf der Bischof Romanus von Bagnorea mit einem SchwarmBewaffneter in die Kirche drang, Benedikt vom Papststuhleherabriß, ihm die Papstgewänder abzog und ihn mißhandelte.Man übergab ihn sodann einigen Kardinälen, die von Leo IV. gleichfalls abgesetzt worden waren.

Das geschah am 21. September 855.

Als sich die Kunde dieses Vorganges verbreitete, eilten vieleBürger und Geistliche in die Kapelle Santa Sanctorum, wo siesich schreiend niederwarfen. Am folgenden Tage versammeltensich die Anhänger Benedikts, durch die Haltung des Volksermutigt, in der Basilica Aemiliana. Die Drohungen der kaiser-lichen Grafen, die mit den Waffen in der Hand in das Presby-terium dieser Kirchen eindrangen, bewogen sie nicht dazu, denGegenpapst anzunehmen. Es fand eine neue Versammlung imLateran statt, und hier erklärte sich das anwesende Volk ein-stimmig zu Gunsten des kanonisch gewählten Benedikt.

Die Gesandten gaben jetzt nach. Anastasius wurde mitSchimpf aus dem Patriarchium gejagt, Benedikt mit Jubel ausseinem Gewahrsam geholt, auf das Pferd Leos IV. gesetzt, undin Prozession nach Santa Maria Maggiore geführt.

Ein dreitägiges Fasten wurde zur Buße angeordnet. DieAnhänger des Anastasius warfen sich Gnade flehend vor demPapste nieder.