Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
871
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Die Stadt und das Papsttum 816 bis 904 871

Benedikt III. empfing am 29. September im S. Peter inGegenwart der kaiserlichen Boten die Consekration.

Einen Tag vor der Ordination des neuen Papstes war Lud-wig alleiniger Kaiser geworden. Lothar hatte sein Reich unterseine Söhne verteilt. Müde und krank, von Gewissensbissengepeinigt hatte er in Prüm bei Trier die Benediktinerkutte ge-nommen, und dort war er am 28. September gestorben.

Die Stadt Rom wurde von diesem Todesfälle nicht berührt.

Ihre Geschichte ist während des kurzen Pontifikats Bene-dikts III. an Ereignissen leer. Wiederholte verheerende Tiber-überschwemmungen werden von der päpstlichen Chronik be-merkt.

IV.

Benedikt III. starb am 8. April 858, als Ludwig eben erstRom verlassen hatte, wohin er aus unbekannten Gründen ge-kommen war. Der Kaiser kehrte daher sofort nach der Stadtzurück, um durch seine persönliche Anwesenheit Ungesetzlich-keiten bei der Papstwahl zu verhüten, bei dieser selbst aber seineRechte wahrzunehmen. Er bewog die Römer, ihre Stimmenauf den Diaconus Nicolaus zu vereinigen, einen ausgezeichnetenMann edlen Geschlechts, den Sohn des Regionär Theodor. DerErwählte wurde vor den Augen des Kaisers am 24. April 858im S. Peter geweiht, und nachdem Ludwig den Festen der Ordi-nation beigewohnt hatte, verließ er die Stadt. Die Achtung, dieer Nicolaus bewies, welcher unter dem Klerus manche Wider-sacher zählte, und die dankbare Gesinnung, die ihm dieser Papstzu bezeugen eilte, lassen vermuten, daß zwischen beiden einpersönliches Verhältnis bestand. Als der Kaiser Rom verlassenhatte, hielt er bei S. Leucius Rast, wo heute die Ruinen derTorre del Quinto liegen. Dort stattete ihm Nicolaus mit derhohen Geistlichkeit und dem Adel einen Besuch ab.

Der Kaiser eilte ihm entgegen, führte eine Strecke lang seinPferd am Zügel, bewirtete ihn in seinem Zelt, verabschiedeteihn reich beschenkt, und ließ sich nochmals herab, den Zelterzu führen, als der Papst sich empfahl.