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der Geschichte der öffentlichen Meinung, daß von i2jo bis nach1600 zuverlässige Geschichtsüberlieferung und historische Kritikin einem in das Unglaubliche reichenden Maße fehlen.
VI.
Für die Zeit des 'Pontifikates Nicolaus’ I. wird nichts vonUnruhen in Rom berichtet. Dagegen wird die Fülle des Wohl-standes und der Ernten gepriesen. Auch die Wohlfahrtsfürsorgedes Papstes wird gerühmt.
Nicolaus stellte zwei Wasserleitungen her, die sogenannteTocia, und die Trajana oder Sabatina, die damals in der durchsie versorgten Leostadt die Wasserleitung S. Peters genanntwurde.
Nach dem Bericht seines Lebensbeschreibers baute Nico-laus I. den Porticus an der S. Maria in Cosmedin und errichtetedort auch ein schönes Triclinium. Im lateranischen Palasterbaute er ein neues Wohngebäude, und bei S. Sebastian einKloster.
Uber die Persönlichkeit Nicolaus ’ I. wird geurteilt: „HeiligeWürde traf bei Nicolaus I. mit einem so kühnen Geist zu-sammen, wie ihn nur wenige Päpste besessen haben. VornehmeGeburt, Wohlgestalt, alle Bildung, welche die Zeit bot, zeichne-ten seine Person aus. Seit Gregor dem Großen war außerdemkein Papst durch das Glück, welches die Kraft an sich zieht,gleich ausgezeichnet. Es gelang ihm, das Königtum wie dasBistum zu brechen; und das abgeschwächte Kaisertum sank ihmgegenüber zu immer wesenloserem Schein herab. Im PapsttumNicolaus’ I. lebte und erstarkte der Gedanke der geistlichenUniversalmonarchie, welche später Gregor VII. aufrichtete,Innocenz III. vollendete. Der Begriff von Rom als dem mora-lischen Zentrum der Welt als Idee und als Wirklichkeit wurdenanschaulich“.
Papst Nicolaus I. starb am 13. November 867. Die Wahlder Römer fiel auf den greisen Kardinal von S. Marcus, den ausdem Geschlecht Stephan IV. und Sergius II. stammenden Ha-