Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Die Stadt Rom 816 bis 1009

genden erloschen waren, und es nur darauf ankam, unter tausendwiderstreitenden Gewalten mit ränkevoller Kunst sich zu be-haupten, erhebt sich Johann VIII., wenn man von dem priester -lichen Amt absieht, um so höher, je tiefere Ohnmacht seineNachfolger auf dem apostolischen Stuhl umgeben hat.

VII.

Während in dem gegenwärtig von uns behandelten Zeit-raum die politische Entwicklung sich in Zusammenballungen,Zerreißungen und Verwickelungen fast chaotisch darstellt, undzwar so, daß Rom und das Papsttum unaufhörlich dadurch mit-betroffen wurde, versagen die Quellen für die römische Stadt-geschichte selbst fast völlig.

Der Historiograph der Stadt muß aus der Gesamtheit derZeitlage und der Schwere der mannigfachen Katastrophen,welche über die Stadt in dieser Zeit hereinbrachen, den Schlußziehen, daß es damals eine eigentliche Geschichte der Stadt Rom überhaupt nicht gegeben hat.

Wirrnisse und Schicksalsfälle jeder Art kamen über dieStadt. In den Jahren 85 6 bis 860 ereigneten sich drei furcht-bare Überschwemmungen. Zu der unaufhörlichen Sarazenen-plage trat gegen Schluß des Jahrhunderts die Bedrohung durchdie Magyaren, welche zwar nicht nach Rom kamen, aber beiihrem Einbruch in Italien 901 auch Rom bedrohten.

Die Streitigkeiten der Karolinger ( welche in diesem Werkenicht geschildert werden können) berührten das Schicksal Romsfortwährend.

Die Sukzessionsfrage nach dem am 20. Juli 840 gestorbenenKaiser Ludwig (der Fromme) war fast entscheidend für dasSchicksal der Stadt.

Die Thronbesteigung Lothars, welchem Ludwig Krone,Scepter und Reichsschwert übergeben hatte, entflammte mitneuer Wut den Zwist der Karolinger, so daß ein wilder Bürger-krieg begann, welchen Papst Gregor IV. vergebens zu stillensuchte.