878
Jahr 849 raubte ein Presbyter von Reims eine Leiche, die er fürdie Mutter Constantins ausgab. Der Besitz solcher heiligenReste galt als geheiligt, so daß die Schande des Diebstahls da-durch getilgt wurde. Die Händler und Besitzer sorgten dafür,daß diese Leichname unterwegs Wundertaten verrichteten.
Oft gaben die Päpste ihre Einwilligung zur Fortführungrömischer Heiliger nach dem Auslande. Es fehlte nie an Bittenvon Städten, Kirchen und Fürsten um die Gewährung solcherGunst. Wenn man die Toten auf geschmückten Wagen aus derStadt führte, begleiteten sie römische Priester und Laien im feier-lichen Zuge, mit Fackeln und mit frommen Gesängen. In allenOrten strömte das Volk dem Leichenwagen entgegen. Solcheschauerliche Triumphzüge gingen oft aus Rom in ferne Provin-zen des Abendlandes, mit ihrem Aberglauben und ihrer Sensa-tion alle Kultur vergiftend.
Zwei „Translationen“ berühmter Apostel erregten beson-deres Aufsehen. Venetianische Kaufleute hatten im Jahre 828unter vielen Abenteuern den Leichnam des Apostels Marcus vonAlexandria nach ihrer Stadt gebracht, deren Patron er nunwurde. Im Jahr 840 kam ein anderer Apostel nach Benevent ,Bartholomaeus, der lange zuvor von Indien in seinem Marmor-sarge nach der Insel Lipari geschwommen war. Die Sarazenenhatten in jenem Jahr Lipari geplündert, und dort die Gebeinedes Heiligen aus dem Grabe geworfen. Ein Eremit sammeltesie, und brachte sie nach Benevent , dessen Fürst Sicard sie unterunbeschreiblichem Jubel in der Kathedrale bestatten ließ.
IX.
Mit dem Kultus der heiligen Leichen und Leichenteile hingdie Bewegung der Pilgerschaften zusammen, welche Jahr-hunderte andauerte.
Alle Schichten, ohne Unterschied des Geschlechts, desAlters und der Klassen nahmen teil an den Pilgerungen: derKaiser, die Fürsten , der Bischof pilgerten wie der Bettler. DasKind, der Jüngling, die Matrone, der Greis gingen barfuß amPilgerstabe.