Das zehnte Jahrhundert
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Mit dem Papste saß er dann zu Gericht über Crescentius undwollte ihn wegen seiner Vergehen gegen den vorigen Papst indie Verbannung schicken; aber auf Bitten Gregors stand derKaiser von seinem Vorhaben ab.
Bald jedoch hatte der Papst Ursache seine Nachsicht zu be-reuen. Denn als Otto im Herbst nach Deutschland zurück-gekehrt war, erhob sich sogleich Crescentius von neuem undverjagte Gregor (996).
Der Treubruch des Crescentius, die Mißhandlung des Pap-stes und seiner Verwandten, die Gefahr des Kaisertums bewogenOtto im Anfänge des Jahres 998 nach Italien zu gehen. Miteinem stattlichen Heere von Deutschen und Italienern rückteer gegen Rom . Crescentius hatte sich (in den Fasten 998) in dieEngelsburg geflüchtet, und verteidigte sich dort noch einige Zeit.Sonntag nach Ostern schritt der Kaiser zu einer regelmäßigenBelagerung; große Belagerungsmaschinen wurden errichtet, unddie Truppen stürmten unter Anführung des Markgrafen Eccardvon Meißen , bis es ihnen endlich gelang die Veste einzunehmen.Crescentius hatte gehofft, durch einen Vertrag mit einer Ab-teilung der Deutschen sich das Leben zu retten, aber er wurdeauf Befehl des Kaisers enthauptet.
Im Februar 999 starb Papst Gregor V. in Rom , wie mansagte, an Gift.
Der Kaiser, welcher inzwischen in der Lombardei gewesenwar, kam am 7. Mai 999 wieder nach Rom , wo er fortan blieb.
Otto III. setzte es jetzt durch, daß Gerbert, zuerst Abt vonBobbio , dann Erzbischof von Reims, und nachdem er von dortvertrieben ward, Ottos Lehrer, jetzt Erzbischof von Ravenna,zum Papst gewählt wurde. Dieser Mann, der gelehrteste Mannseiner Zeit, blieb immer in enger Verbindung und Einwirkungauf Otto. Der Kaiser strebte in jugendlicher Begeisterung Karlden Großen nachzuahmen; er wollte sich auch einen Teil desgriechischen Reiches unterwerfen, und Italien , insbesondereRom , sollte der Mittelpunkt seines Kaisertums sein.
Die 20 letzten Lebensmonate, welche Otto III. nunmehrin Rom residierte, vergingen in schweren Kämpfen und leiden-schaftlichen Aufständen, welche der Kaiser niederzuwerfen