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Der im Jahre 1075 ausgebrochene Investiturstreit, dessenbekanntestes Ereignis die Demütigung des Kaisers Heinrich IV. im Jahre 1077 zu Canossa ist und welcher mit dem WormserKonkordat (1122) abschloß, kann grundsätzlich in unsere Dar-stellung nicht einbezogen werden. Ebensowenig kann die ge-waltige kirchliche Reformbewegung, welche von dem Benedik-tinerkloster Clugny (Cluny bei Chalon-sur-Saone ) ausging undan den Namen des Mönches Hildebrand, des späteren PapstesGregor VII. (1073—1085) anknüpft, in unserem Rahmen dar-gestellt werden. Auch die Beteiligung des Papsttums an der dasAbendland und das Morgenland erfüllenden Weltepisode derKreuzzüge, wobei das Auftreten des Papstes Urban II. im Jahre1095 auf den Kirchenversammlungen zu Piacenza und zu Cler-mont hervorzuheben wäre, gehören nicht zur römischen Stadt-geschichte. Das Vordringen der Normannen in Italien , welchesfür die Geschichte ganz Italiens im ix. Jahrhundert in gewissemMaße richtunggebend war, kann gleichfalls nicht in seinerGänze, sondern nur in Hinsicht der stadtrömischen Taten desNormannenfürsten Robert Guiscard im Jahre 1084 zur Dar-stellung kommen.
Zunächst wollen wir einen Umblick auf Zustände und Ver-hältnisse der Stadt werfen, welche strenger Chronologie nichtzugänglich, eben darum aber einer zusammenfassenden Betrach-tung besonders bedürftig sind. Es handelt sich um soziale undpolitische, um kulturelle, besonders um bauliche Verhältnisse.Die geschichtliche Betrachtung dieser in unaufhörlichen Ver-schiebungen sich entwickelnden Erscheinungen läßt sich nurausnahmsweise durch Jahreszahlen streng begrenzen. Ihrelebendige Anschauung erfordert den Überblick über Jahr-hunderte. Für das 11. Jahrhundert ist die Rückschau bis in das8. und die Vorschau bis in das 13. Jahrhundert erforderlich.
III.
Adelsgeschlechter in einem neuen geschichtlichen Sinntreten in Rom seit dem 8. Jahrhundert auf.
Die Zahl dieser Familien und Geschlechter war im 11. Jahr-hundert sehr groß und vermehrte sich noch. Ihr Charakter