Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Die Stadt Rom 1009 bis 1099

Volkreicher waren die Abhänge des Esquilin , weil dort viel-besuchte Kirchen standen, wie die Basilika S. Maria Maggiore,bei welcher Nicolaus IV. (12881292) eine päpstliche Residenzangelegt hatte; ferner die Abhänge des Quirinal und die nochstark bewohnte Subura , während der Viminal von Ödland undWeinbergen bedeckt lag. Die Trümmer der entlegenen Ther-men Diocletians luden kein Adelsgeschlecht zum Bau von Bur-gen ein, auch nicht die versumpften riesigen Bäder des Caracalla,oder das prätorianische Lager.

Mächtige Familien besetzten dagegen die Abhänge desQuirinal und verschanzten sich in der Nähe der alten Kaiser-fora. Im 13. Jahrhundert war gerade dies Gebiet der Kampf-platz der Faktionen. Denn dort saßen die Pandulfi von derSubura, die Capocci, welche sich in den Thermen Trajans an-gesiedelt hatten, und die Conti, während in der Nähe die vierteBurg der Colonna, der uralte Sitz der Grafen von Tusculum,in den Thermen Constantins lag.

Noch heute stehen auf jenen Abhängen die großartigenÜberreste von zwei Türmen jener Zeit, derTurm der Grafenund derTurm der Milizen.

DerGrafenturm (Torre dei Conti ) bezeichnet die Epocheder Macht des Geschlechts Innocenz III. (11981216). Derehrgeizige Richard Conti erbaute ihn mit den Mitteln seinespäpstlichen Bruders im alten Forum des Nerva, und von hieraus wurde die republikanische Freiheit Roms bekämpft. Dieriesigen Ruinen der Fora des Augustus, des Nerva und Caesarsforderten zur Verwertung als Festung heraus, und die Contierrichteten dort eine Zwingburg, welche das Kapitol wie diefrangipanischen Türme bedrohen konnte. Der Bau jenes ge-waltigen Turms fiel in den Anfang der Regierung Innocenz III.Tuffquadern bildeten seine Grundlagen aus antiken Resten, ge-brannte Ziegeln seine Mauern. Viereckig, über der gewaltigenBasis in drei sich verjüngenden Stockwerken mit einem drei-gezackten Aufsatze von Zinnen sich erhebend, stieg er empor.Man pries ihn als den herrlichsten aller Stadttürme, ja als einWunderwerk. Petrarca, der ihn sah, ehe ihn ein Erdbeben zer-