Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Die Stadt Rom 1009 bis 1099

das Studium des römischen Altertums erwacht war. Diesefingen an, Rom mit den Augen des Antiquars und Historikerszu betrachten. Sie machten Aufzeichnungen von den Sehens-würdigkeiten der Stadt, welche sie dann in ihre nordische Hei-mat mitnahmen.

Die berühmteste dieser Aufzeichnungen ist im Kloster vonEinsiedeln (Schweiz ) gefunden, von einem unbekannten Ver-fasser herrührend, weswegen sie mit der BezeichnungDer Ano-nymus von Einsiedeln angeführt wird. Überwiegend wirdangenommen, daß der Anonymus von Einsiedeln im Anfangdes 9. Jahrhunderts geschrieben hat.

Aus späterer Zeit stammen zwei andere berühmte Auf-zeichnungen, nämlich die sogenannteGraphia, genauerGra-phia aureae urbis Romae und dieMirabilien,MirabiliaRomae.

Entstehungszeit, Wert und Zusammenhang dieser letzterenbeiden Schriften sind Gegenstand aussichtsloser wissenschaft-licher Kontroversen. Es seien hier Äußerungen zuständiger Ge-lehrter darüber angeführt, welche die Verschiedenheit der An-sichten zeigen *).

Gregorovius schrieb:Die Graphia und die Mirabilien, nachMitte des 12. Jahrhunderts abgeschlossen, sind fast wörtlichstimmende Rezensionen einer und derselben Stadtbeschreibung,wo es die Monumente gilt. Die Zusätze der Graphia sind viel-leicht anderswoher entlehnt, und in den Codex von Florenz hineingetragen worden. Daß die Graphia älter sei, als die Mira-bilien, hat schon Ozanam nachgewiesen.

Wilhelm v. Giesebrecht führt aus:Es ist, so nehme ich an,zur Zeit Ottos III. und Gerberts eine Schrift in Rom entstanden,welche den Titel Graphia aureae urbis Romae führte und inihrem ersten Teile eine Stadtbeschreibung mit besonderem Hin-weis auf die Herrlichkeiten des alten Roms enthielt, im zweiten

*) Fcdor SchneiderRom und Romgedanke im Mittelalter, München 1926, (S. 172) setzt den Ursprung der Graphia (einer der wichtigsten Auf-zeichnungen aus dem Rom der Zeit um 1000) in die Zeit etwa um 1045.