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das Studium des römischen Altertums erwacht war. Diesefingen an, Rom mit den Augen des Antiquars und Historikerszu betrachten. Sie machten Aufzeichnungen von den Sehens-würdigkeiten der Stadt, welche sie dann in ihre nordische Hei-mat mitnahmen.
Die berühmteste dieser Aufzeichnungen ist im Kloster vonEinsiedeln (Schweiz ) gefunden, von einem unbekannten Ver-fasser herrührend, weswegen sie mit der Bezeichnung „Der Ano-nymus von Einsiedeln“ angeführt wird. Überwiegend wirdangenommen, daß der Anonymus von Einsiedeln im Anfangdes 9. Jahrhunderts geschrieben hat.
Aus späterer Zeit stammen zwei andere berühmte Auf-zeichnungen, nämlich die sogenannte „Graphia“, genauer „Gra-phia aureae urbis Romae“ und die „Mirabilien“, „MirabiliaRomae“.
Entstehungszeit, Wert und Zusammenhang dieser letzterenbeiden Schriften sind Gegenstand aussichtsloser wissenschaft-licher Kontroversen. Es seien hier Äußerungen zuständiger Ge-lehrter darüber angeführt, welche die Verschiedenheit der An-sichten zeigen *).
Gregorovius schrieb: „Die Graphia und die Mirabilien, nachMitte des 12. Jahrhunderts abgeschlossen, sind fast wörtlichstimmende Rezensionen einer und derselben Stadtbeschreibung,wo es die Monumente gilt. Die Zusätze der Graphia sind viel-leicht anderswoher entlehnt, und in den Codex von Florenz hineingetragen worden. Daß die Graphia älter sei, als die Mira-bilien, hat schon Ozanam nachgewiesen“.
Wilhelm v. Giesebrecht führt aus: „Es ist, so nehme ich an,zur Zeit Ottos III. und Gerberts eine Schrift in Rom entstanden,welche den Titel Graphia aureae urbis Romae führte und inihrem ersten Teile eine Stadtbeschreibung mit besonderem Hin-weis auf die Herrlichkeiten des alten Roms enthielt, im zweiten