Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Äußerer Zustand der Stadt

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dagegen die Ordnungen des kaiserlichen Palastes, mehr nachdem Studium und der Phantasie des Verfassers als nach derWirklichkeit, darzustellen suchte. Dieser zweite Teil scheintunvollendet geblieben zu sein, hat sich wenigstens nur in einemunvollständigen Exemplar erhalten. Dieser zweite Teil, derbald jedes Interesse verlor, erfuhr keine Veränderungen, währendder erste, jenachdem die Stadt selbst sich umgestaltete, mehr-fach umgearbeitet wurde. In der Gestalt, welche das Buch 1143hatte, wurde dann vielfach der erste Teil, der allein noch inter-essierte, besonders abgeschrieben und galt nun für ein ab-geschlossenes Werk, dem man den Namen Mirabilia Romae bei-legte.

Freier äußert sich Reumont:Welche Gestalt die Stadthatte, ergibt sich aus einem merkwürdigen Dokument, inwelchem wir die zweite der nachmals zu beinahe unüber-sehbarer Reihe angehäuften Stadtbeschreibungen vor uns haben,deren erste das Regionenverzeichnis der zu Ende gehendenImperatorenzeit war. Diese unter dem Namen Graphiaaureae urbis Romae bekannte Beschreibung gehört in der Ge-stalt, wie sie auf uns gekommen ist, dem Ende des elften oderdem Beginn des zwölften Jahrhunderts an, mit Zusätzen, dienicht älter sind als die Mitte der letztem, aber sie stellt uns imwesentlichen das Rom des Ausgangs der Carolingerzeit vorAugen. Noch stehen, wenngleich in Ruinen, die meisten Monu-mente des Altertums; noch hat keine jener großen Zerstörungen,die das spätere Mittelalter mit sich brachte, ganze Regionenweggeschwemmt, ganze Stadtteile verödet. Die Päpste habendie Säulenreihen der verfallenen Tempel zu ihren Kirchenbautenverwendet, die Edlen sind ihrem Beispiel gefolgt, haben Marmorund Granitsäulen in den Hallen und Hof räumen ihrer Woh-nungen aufgerichtet, Kapitäle und fragmentierte Schafte in denWänden vermauert, aus reichverzierten Architravstücken Tür-pfosten zusammengesetzt, bei denen Übereinstimmung derTeile kein Erfordernis schien. Das Volk hat sich in den Zirken,den Portiken, den Bogenhallen der Theater und Amphitheatereingenistet und sie zu Buden, Handwerksstätten, notdürftigenWohnungen benutzt. Überall wandern Marmore in die Kalk-